Fundstück: „Was alles war“ von Annette Mingels

Hallo Ihr Lieben,

nachdem ich heute den fünften Morgen in Folge mit Fieber, das an der 40 Grad-Marke kratzte, aufgewacht bin, bin ich noch mal zu meinem Hausarzt gedüst und habe mir ein unaussprechliches Antibiotikum geben lassen. Er vermutete zwar zunächst einen Virus, aber da sich wirklich nullkommanull Besserung einstellte, darf jetzt die Keule ran (und ich fühle mich nach zwei Einheiten schon etwas besser und glühe nicht mehr wie ne 60 Watt Birne).

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Für die Erstellung dieses Bildes musste ich erstmal zahlreiche Rotzfahnen beiseite räumen ;-)) (Bild: Single City Mama)

Die ungewohnt viele, freie Zeit habe ich heute – einem halben Regenwald verschnaubend  – auf dem Sofa gelegen und ein Buch gelesen, das ich für die Arbeit rezensieren will. Aber es hat mich so begeistert, dass ich es auch hier sehr passend finde, denn es ist nicht nur sehr schön und intensiv erzählt, sondern setzt sich auch eindringlich mit dem Thema „Familie“ auseinander. Was uns prägt – Erziehung oder Gene? Die Entscheidungen, die wir treffen? Und die Achtsamkeit, die uns häufig im Alltag fehlt.

Die Protagonistin Susa, Meeresbiologin, wurde als Baby adoptiert und wuchs bei liebevollen Adoptiveltern auf. Mit Mitte dreißig lernt sie Henryk kennen, der nach dem Tod seiner Frau seine kleinen Töchter allein großzieht. Susa und Henryk verlieben sich und werden eine Familie, die wenige Jahre später durch das gemeinsame Baby Leve ergänzt wird. Zu Beginn des Romans nimmt Susas leibliche Mutter Viola, eine Weltenbummlerin und (Über-) lebenskünstlerin, wieder Kontakt zu Susa auf. Diese ist hin- und hergerissen zwischen Befremdung, durch die narzisstischen Züge der Frau, zu der sie keinerlei mütterliche Bindung verspürt, und der Neugier nach ihren Wurzeln.

Viola ist allerdings nur eine Randfigur des Romans, die Susa zum Nachdenken anregt. Das Kennenlernen ihrer unbekannten Brüder, die Suche nach ihrem biologischen Erzeuger, der schmerzhafte Tod ihres geliebten Adoptivvaters und die kriselnde Ehe zwischen Susa und Henryk, die sich in den Spannungen des Alltags gegenseitig zu verlieren drohen – das alles geht unheimlich unter die Haut.

All die Fragen, die wir nicht stellen wollen. Die Prioritäten, die wir setzen – jede Entscheidung für etwas, sagt Susa, ist auch die Entscheidung gegen etwas.

Lyrisch meisterhaft schildert Annette Mingels die Zerrissenheit vieler Frauen. Der konstante Spagat zwischen eigenen Bedürfnissen und denen der Partner oder Kinder, Kind und Karriere – schließt das eine realistisch das andere aus? Hetzen wir zu sehr durch unseren Alltag? Und das große Thema Patchwork. Können wir nicht-leibliche Kinder ebenso lieben wie unsere biologischen? Wie wichtig ist der Kontakt zu biologischen Halbgeschwistern? Sind das fremde Menschen – oder verbindet das Blut quasi instinktiv?

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass die Erziehung einen weitaus größeren Einfluss auf unsere emotionale Entwicklung und Reife hat, als unsere Gene. Wer sich geborgen und geliebt weiß, dem mangelt es an nichts. Ist das naiv? Bleibt trotzdem eine Leere, wenn Fragen ungeklärt sind? Ich weiß es nicht, da ich mir diese Fragen bisher nie gestellt habe. Sicher würden sie in einer Patchworkbeziehung relevant werden.

Worin ich mich wiedergefunden habe, ist die Reue Susas, über Zeit, die ungenutzt blieb, Dinge, die nicht gesagt wurden. Wenn ich mit 25 gewusst hätte, dass mir nur so kurze Zeit mit meiner Mutter bleiben würde, hätte ich nicht ständig an meinem Handy oder Computer geklebt, um mich über Dinge mit Menschen auszutauschen, die heute keinerlei Bedeutung mehr haben. Ich hätte gerne noch so viel mit ihr geredet, sie so viel gefragt, nicht nur als Mutter, sondern auch als Freundin.

Manchmal ertappe ich mich, wenn ich abends ko und genervt bin, wenn der kleine Piranha zum x-sten mal maulig etwas einfordert. Oft schäme ich mich fast, wenn ich – wie jetzt – mein Bett für mich brauche. Doch der Gedanke, dass ich diese Zeit nicht intensiv genug erlebe, macht mir Angst. Sie geht so wahnsinnig schnell vorbei. Wir saßen heute auf dem Teppich und haben Duplo Züge gebaut. Ich konnte kaum sprechen, aber kleine Piranha hat mich mit seinem Arztkoffer untersucht und wir waren auf Augenhöhe. Ich möchte diese intensiven Momente mit meinem Kind, und auch mit meinem Vater und meiner Schwester.

Ich hoffe, alle drei wissen, wie sehr ich sie liebe. Ich hoffe, meine Mutter wusste es, auch wenn sie manche Tage meinen Kopf nur hinter einem Laptop-Display entdeckte und deswegen traurig war. Ich wünsche mir ein öfteres Innehalten im Alltag, Zeit für gute Bücher, tolle Gespräche und Begegnungen. Mehr Kraft zum Loslassen. Mehr Mut zu Ehrlichkeit. Und mehr Liebe für sich selbst mit allen Stärken und Schwächen. Ich sage inzwischen, was ich denke und fühle, und bin der festen Überzeugung, dass alles, was einen Platz in Deinem Leben haben soll, einen bekommt. Dass wir uns so wenig wie möglich verbiegen sollten. „Was alles war“ war eine echte Bereicherung und hat einen tristen Tag sehr viel schöner gemacht!

Liebe Grüße von Eurer

Single City Mama

Muttifunktionstalent

Neulich im Buchgeschäft lachte mich diese wundervolle Karte an, die ich gleich in mehrfacher Ausführung erwarb, um sie an meine Mami Freundinnen (neudeutsch bzw. harvestehudisch: „Play Date Anhang“ ;-)) zu verschenken.

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Mama sein bedeutet, dass die Jobbeschreibung zweizeilig wird…

„Wow“, dachte ich „auf jeden Fall hat die Designerin dieser Karte – die sicher eine Frau ist! – den springenden Punkt erkannt. Wir Mütter – und damit meine ich Mamas im Allgemeinen und Single Mamas im Besonderen – sind Akrobaten, die sich täglich auf dem Hochreck der Organisationskunst verlustieren.

Denn als wenn es nicht schon anspruchsvoll genug wäre, Kind, Kita, Job und wichtige gesellschaftliche Verpflichtungen wie Kindergeburtstage und Krabbel-Kränzchen unter einen Hut zu bringen, nebenbei die Bude zumindest im weitesten Sinne besenrein und wäschefrei zu halten, sind da ja auch noch – ganz weit unten in der Pampers Hackordnung – wir selbst mit unseren Bedürfnissen nach Schlaf, Erholung und Rekreation (wobei ersterer schon in der Sparversion ein echtes Highlight ist).

Ausgehen, Daten, Freunde treffen – manchmal scheinen diese simplen Freuden der Pre-Piranha-Ära mit den letzten Dinos irgendwie in der Versenkung verschwunden zu sein. Aber was ich in den letzten zwei Jahren mit meinem kleinen Mann gelernt habe – und gleichzeitig eine meiner als Chaosnudel größten Schwächen betrifft – ist, dass es hilft, den Dingen eine Struktur zu geben: Tages- und Wochenpläne mit eingespanntem Opa, der sich seinem Enkel (und seiner Tochter) zuliebe regelmäßig etwas von seiner „Gentleman of Leisure“-Zeit abknappst oder unsere liebe Leihomi Claudia, die einen Nachmittag in der Woche auf den kleinen Piranha aufpasst.

Ich nehme mir dann immer vor, zumindest eine Kommastelle meines Monatsbeitrags bei Fitness First abzutrainieren und lande schlussendlich doch nur beim Edeka an der Ecke und mit Glück auf einen Milchkaffee nebenan. Aber es ist Zeit für mich, die ich in vollen Zügen genieße – in dem ich nämlich absolut nichts tue.

Wie schafft Ihr das, meine lieben Mit-Muttifunktionstalente – wo immer Ihr lebt?

Sonnige Grüße an einem regnerischen Hamburger Dienstag,

Eure Single City Mama

Piranha hoch 2!

Aufregung im Hause Piranha! Der kleine Mann wird heute 2 und ich bin stolz wie Oskar und ein bisschen wehmütig. Wo ist die Zeit hin? Wo ist mein Baby?!?

Wenn das in diesem Tempo weitergeht, muss ich mir bald ernsthaft Gedanken über eine passende Altersbehausung machen. Und bei Cocos Eltern mit Kamelen aufwarten.

Heute vor 2 Jahren bin ich Mama geworden. Mein Leben hat sich um 180 Grad gedreht – zum Positiven. Die chaotische, innerlich aufgewühlte Reisebiene ist erwachsen geworden und hat Verantwortung übernommen. Für sich selbst und einen kleinen Menschen, dessen Bedürfnisse von nun an immer an erster Stelle stehen werden.

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Der kleine Piranha hat mir auf seine freche, liebevolle Art gezeigt, was es heißt, den Dingen eine Struktur zu geben, das Wesentliche von Unwesentlichen zu unterscheiden, die Ruhe zu bewahren, auch mit wenig bis sehr wenig Schlaf aus zu kommen und bedingungslos zu lieben.

Mit diesem unglaublich tiefen Gefühl der Liebe für mein Kind kam paradoxerweise auch die Fähigkeit, loslassen zu können. Menschen, Ängste und Gefühle. Ich kann Dinge, die mir nicht gut tun, heute schneller verarbeiten und verabschieden. Auch negative Gefühle aushalten und akzeptieren. Und ich bin dankbar für das unglaubliche Glück, das mein Kind bedeutet und das er durch seine kleine Persönlichkeit, sein Lachen und sein liebevolles Wesen in mein Herz gezaubert hat.

Happy Birthday, mein kleiner Piranha!

Ich liebe Dich – um es in Deinen Worten zu sagen – immer 1000 mal „mehr“ wie „Bär“. Wir sind ein Dreamteam und Du bist das Beste, was mir je passiert ist.

Ich freu mich schon wie eine Schneekönigin auf die nächsten Jahre.

Sonnigste Grüße,

Eure Single City Mama