Das F-Wort (nicht das, was Ihr denkt!)

Lieblingsmamas,

immer wieder bin ich gerührt von der kindlich-unschuldigen Freundschaftsdefinition des kleinen Piranhas und seiner Kumpels. „Mama, ich habe heute einen neuen Freund gefunden“, verkündet er regelmäßig stolz, wenn er in der Kita mit einem „neuen“ Kind gespielt hat. Wurscht, dass er teilweise gar nicht weiß, wie das Kind heißt. Jemand, der nett ist und mit dem er gerne spielt, ist ein „Freund“.

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(Symbolbild: Unsplash)

Mit zunehmendem Alter wird diese Definition ein bisschen komplexer. Das musste auch der kleine Piranha erfahren, als er den etwas älteren Sohn einer Bekannten unschuldig fragte, ob er sein Freund sei und dieser – eigentlich total korrekt – entgegnete, dass ein gemeinsames Spiel noch keine Freundschaft begründet. Stimmt ja eigentlich – ein bisschen Exklusivität darf man als „Freund“ schließlich erwarten.

Dabei ist das Verständnis des kleinen Piranhas in Bezug auf das zarte Band der Zuneigung tiefgründiger, als ich zunächst dachte. Als wir Silvester im Kreise der Familie ein Partyspiel spielten, bei dem wir 2018 Revue passieren ließen, wurde der Piranha mit der Frage konfrontiert, wer sein Jahr 2018 besonders bereichert hatte.

„Dejan“ erklärte er mit vollem Herzen und meinte seinen engsten Kita-Kumpel. „Er war immer für mich da“. Wir alle waren sehr gerührt.

Mitten in den Vorbereitungen meiner eigenen Geburtstagsparty (whoop whoop!!) musste ich auch bei der Planung der Gästeliste neulich über das Wort Freundschaft nachdenken und wie sich der Kontext verändert.

Früher, in den Dino-Zeiten der Kindheit, gab es ein bis zwei „allerbeste“ Freundinnen, mit denen man ständig unterwegs war und über alles gequatscht hat. Aber oft verlief sich der Kontakt – mal mehr, mal  weniger schmerzhaft, ähnlich wie bei einer Trennung. Dann kam die Cliquen-Philosophie, die sich durch weite Teile der Schulzeit und des Studiums zog.

Und dann sind da die Menschen, die man eigentlich kaum kennt, aber bei denen einfach Chemie und Wellenlänge stimmen. Und die plötzlich wichtig werden. Und auch zum Mikrokosmos „Freundschaft“ gehören, gefühlt sogar mehr als andere, die man schon sein halbes Leben lang kennt. Apropos halbes Leben: Auch da gibt es Freundschaften, die heute immer noch bestehen, und die mir total nahestehen. Wir sind zusammen erwachsen geworden. Also so ein bisschen zumindest, auf dem Papier.

Was mir bei der Planung meines Geburtstags auffiel: Aus jedem Lebensabschnitt ist immer noch jemand in meinem Leben präsent. Kindergarten, Grundschule, Schule, Studium, Ausland, berufliche Stationen, Zufallsbekanntschaften, bei denen es einfach „geklickt“ hat – es ist ein schönes Gefühl, viele Menschen zu haben, die einem etwas bedeuten und vice versa.

Natürlich gibt es Abstufungen. Es gibt Menschen, die ich sehr gerne mag, mit denen ich aber einfach sehr selten spreche. Bei den meisten ist das ok. Wenn wir uns wiedersehen, knüpfen wir genau dort an, wo wir aufgehört haben. Grund für den seltenen Kontakt ist meistens, dass sich der Alltag durch unterschiedliche Lebensentwürfe und Entfernungen kaum überschneidet. Keiner nimmt es dem anderen übel.

Verunsicherungen gibt es eigentlich nur, wenn die Erwartungen unterschiedlich sind, sich einer mehr Verbindlichkeit oder Kontakt wünscht. Oder beim anderen Geschlecht: Wenn man einfach nicht weiß, woran man ist. Liebe, Freundschaft, eigentlich Liebe, aber noch mehr Angst, Freunde mit Vorzügen – wer blickt denn da noch durch? Und was darf man wo erwarten???

Dann stellt sich meiner küch. psych. Meinung nach immer die Frage, wie wichtig einem gerade dieser Mensch ist, und bis wohin es gesund ist, Kompromisse einzugehen (Stichwort: Selbstfürsorge). Andere ändern zu wollen ist schließlich müßig. Also lieber die Frage: Tut mir das gut? Und offen und möglichst vorwurfsfrei ansprechen. „Du, ich hätte mir eigentlich gewünscht, dass…“. Dann sind die Karten auf dem Tisch und der andere kann reagieren.

Dazu gibt es Freunde, die ich ganz regelmäßig sehe, und das ist toll – ich würde sie um nichts in der Welt missen wollen. Man ist immer up-to-date, was beim anderen gerade los ist, holt und gibt sich Rat und öffnet sich emotional total. Numerisch gesehen sind das natürlich die wenigsten, aber auch das ist total okay.

Aber es gibt auch Freundschaften, die sich wieder auseinander entwickeln. Ich finde, das ist auch total normal und gesund (meistens ist es ja ein beidseitiges Gefühl, wenn es nicht mehr so richtig „passt“), solange kein tieferer Groll dahintersteckt, der ausgesprochen werden sollte. Wir alle verändern uns schließlich. Das sieht man schon beim kleinen Piranha. Einige enge Freundschaften sind beständig, bei anderen verläuft sich der Kontakt, immer wieder kommen neue Menschen, Ansichten und Dynamiken dazu.

Nicht alles lässt sich rational erklären. Bei der Freundschaft ist ja wie bei der Liebe immer eine große unbekannte Variable dabei. Der eine Mensch ist total anders als man selbst und gerade deshalb total spannend. Oder tickt ganz ähnlich und ist dadurch ein guter Ratgeber, mit dem man viel lachen kann.

Ich freu mich schon total auf meinen Geburtstag. Von außen betrachtet wird es wirklich ein buntes Sammelsurium an Menschen, die mich aus ganz unterschiedlichen Stationen bzw. Situationen kennen. Mit meiner Freundin Sybille habe ich schon im Kindergarten den Ententanz getanzt, meine Freundin Tina kommt extra aus München angereist, um den Abend mit mir zu feiern. Meine Schwester, Tante Hu, die gleichzeitig meine beste Freundin und „Stimme der Vernunft“ ist, ist selbstredend am Start… und so viele liebe Leute mehr. Aber: Keiner ist zufällig auf der Liste gelandet. Alle bedeuten mir viel und ich bin froh, dass es sie gibt.

Ich bin gespannt, wie sich das Netz des kleinen Piranhas entwickelt. Wer sein Leben bereichert, wen er mir vorstellt, über wen wir uns vielleicht sogar streiten…

Schließlich zeigen ja unsere Freunde auch immer ein bisschen, wer wir selber sind. Ich bin stolz auf meine!

Liebste Grüße,

Eure Single City Mama

 

 

Marry me, Mama!

Lieblingsmamas,

just nachdem ich Euch vorgestern von den Bruderplänen des kleinen Piranhas berichtete, kippte die Stimmung gestern Abend dramatisch.

„Mama, Du sollst niemanden heiraten!“ forderte der Piranha mit dünnem Stimmchen, als wir nach einem Spargelessen bei Baba-Opa nach Hause fuhren. „Aber gerade habe ich das doch auch gar nicht vor, Schatz“ beschwichtigte ich, doch der Piranha hatte sich bereits in Rage gewütet und war untröstlich. „Dann bin ich ganz allein“ sagte er und mir blutete das Mutterherz. Ich fragte mich, woher diese Verlustangst auf einmal kam, da es in punkto Familienplanung doch gar keine Veränderung in meinem Leben gibt.

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Bild: Fotolia

Im Gegenteil, wesentlich akuter als die Frage, ob und wann und wen ich einmal heirate, ist gerade das Thema Fleckenbeseitigung aus meiner neuen Tunika. Und der bevorstehende Geburtstag von Baba-Opa. Und das Piranha-Fest kommenden Freitag und unsere Fuerteventura-Reise und außerdem – wer denkt da ans Heiraten? Und überhaupt – wen sollte ich ehelichen? Der Empfänger der Löwenzahn-Botanik aus unserem Garten trug meines Wissens bereits einen Ring (die Erinnerung mag mich trügen) und war geschätzte 150 Jahre alt.

„Du wirst Du immer meine Nummer Eins sein“, vergewisserte ich dem kleinen Piranha und überlegte, ob ich zur Deeskalation der Situation einfach sagen sollte, dass ich ohnehin nicht heiraten wollte. Psychologisch war es vermutlich ratsamer, den kleinen Piranha sich mit der Situation und seinen Gefühlen diesbezüglich auseinander setzen zu lassen. Plötzlich wollte er partout kein Bruder mehr sein, aus Angst, jemand könnte ihm seine Mama abspenstig machen.

Das Thema beschäftigte den kleinen Mann noch etwa eine halbe Stunde, bis er mit einem pragmatischen Lösungsvorschlag um die Ecke kam: Wenn er groß wäre und selbst ein Papa sei, dann könnte ich ihn heiraten. Ich dankte meinem Kind für die liebevolle Idee, erläuterte, dass dies leider nicht möglich ist, aber irgendwie konnten wir das Thema damit ruhen lassen und gingen zum abendlichen Kuscheln, Peppa Wutz gucken und Vorlesen über.

Ich vermute, der bevorstehende 4. Geburtstag des Piranhas und der Kita-Wechsel führen dazu, dass er momentan besonders anhänglich ist. Am liebsten würde er gar nicht in die Kita gehen und jeden Tag mit ins Büro kommen, wo er mich nach eigener Aussage auch nicht stören würde. Der Piranha ist sehr schmusig und kommt zu vielen Gelegenheiten angekuschelt, auch um Schabernack anzustellen.

Da ich großes Vertrauen in die neue Kita habe und nachmittags regelmäßig einen vergnügten Piranha einsammle, mache ich mir keine großen Gedanken. Es ist wahrscheinlich wirklich eine Phase. Die Phase, er der er mich wieder auffordert mich zu „schleichen“, wird wieder kommen, ganz bestimmt, und ich werde die Kuscheleinheiten einfordern müssen.

Und irgendwann wird er groß sein und ausziehen und, ach lassen wir das! Er bleibt immer mein Baby!

Liebste Grüße von Eurer

Single City Mama

Der Karma-ROI – oder warum „alles gut“ wird

Guten Morgen Lieblingsmamas,

so, Ostern ist schon wieder vorbei! Klappe zu, Hase… auf Weltreise! Aber schön war’s – und schokoladig! Der kleine Piranha hat im Garten nach Eiern gesucht und seine Familie und Freunde, die sich am Ostersonntag zusammen fanden, um einen von Baba-Opa kredenzten furztrockenen (aber schmackhaften!) Lammbraten zu genießen, bespaßt!

Sein kleines Mundwerk stand nie still. Der kleine Piranha kaufte ein, buk Lego-Kuchen, reparierte Familienmitglieder mit seinem Werkzeugkoffer und elaborierte, was ihn bewegte. Seine blühende Phantasie ist so süß zu beobachten und ich ertappte mich mehrere Male, wenn er stolz „meine Mama“ seufzte und seine Ärmchen um mich rum schlang, wie ich vor Liebe und Dankbarkeit für mein kleines Männchen mit den Schokoeiern um die Wette schmolz.

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Manches sprengt unsere Vorstellungskraft – und oft ist das gut so… (Bild: Fotolia)

Dabei dachte ich an ein Gespräch von neulich, mit einer lieben Freundin, die „alleine schwanger“ ist und ihre Schwangerschaft aufgrund der Zukunftsängste und Unsicherheiten gar nicht genießen kann.

Ich glaube, jede werdende Mama, die mit dem Kindsvater keine Zukunft geplant hatte oder deren Beziehung vor der Geburt gescheitert ist, kann diese Ängste nachvollziehen. Das Hin- und Hergerissensein zwischen der Freude über das Leben im eigenen Bauch, und den Unsicherheiten – wie wird alles werden? Wird er zahlen und sich kümmern? Will ich das überhaupt? Will ich nicht einfach einen Cut machen – kann ich den jetzt jemals machen? Wird mein Kind jemanden lieben, der mich verletzt hat? Wird er mein Kind verletzen? Wird meine Karriere mit Kind beendet sein? Wer stellt mich ein? Finde ich „Mr. Right“, wenn ich schon ein Kind habe?

Dazu kommen die Vorurteile, die leisen und die lauten. „Ich würde unter diesen Umständen kein Kind bekommen. Weißt Du, was Du dem Kind damit antust?“. „Du kannst doch später immer noch Kinder bekommen, aber doch nicht jetzt – und nicht von dem“. Eine Bekannte fragte mich auf einer Geburtstagsfeier sogar, ob ich denn wüsste, wer der Vater ist. Es dauerte, bis ich die Frage – und die Vorurteile, die sich dahinter versteckten – verstanden hatte. Dann war ich sprachlos.

Last but not least: der hormonelle Supergau, den eine Schwangerschaft mit sich bringt und versonnene Pärchen, die sich im Geburtsvorbereitungskurs die Bäuche bemalen. Die Voraussetzungen für innere Ruhe und Gelassenheit sind in dieser Phase häufig mehr als suboptimal.

Eine Freundin aus dem Studium hatte das schöne Motto: „Die meisten Probleme lösen sich von alleine“ und das habe ich auch versucht, meiner schwangeren Freundin zu sagen.

Als der kleine Piranha geboren wurde, war da nach emotional turbulenten Monaten nur noch Freude und Glück. Meine Schwester hielt während der Geburt meine Hand und durchtrennte die Nabelschnur. Wir wurden in Windeseile ein Team und nie hat uns etwas gefehlt. In mehrfacher Hinsicht sind wir sehr privilegiert: wir sind ökonomisch abgesichert und mein Vater wohnt in der Nähe. Meine Schwester sogar im gleichen Haus. Der kleine Piranha wird von ganzem Herzen geliebt, er hat eine Familie, enge Freunde, zu denen er ein inniges Verhältnis hat. Ich habe in der Elternzeit den Job gewechselt und arbeite nun nur wenige Minuten von zuhause entfernt in einem Bereich, der mir Spaß macht, mit einem tollen Chef und lieben Kollegen.

Der Vater des kleinen Piranhas wohnt zwar weit weg und ist im Alltag entsprechend wenig präsent, aber er kümmert sich und wir haben „unseren Weg“ gefunden, ein freundschaftliches Verhältnis, das auf gegenseitiger Fürsorge und Respekt fundiert.

Vieles, worüber ich mir in der Schwangerschaft den Kopf zerbrochen habe, ist nie eingetreten. Vieles lief besser als erwartet. Türen haben sich geschlossen – und bessere wurden geöffnet. In der Retrospektive kann ich sagen: Alles hatte einen Sinn und wenn ich jetzt meinen kleinen Piranha im Arm halte, weiß ich, dass er das größte Glück und das wertvollste Geschenk meines Lebens ist.

Diese Zuversicht möchte ich anderen Mamas auch geben. Es wird alles gut – in vielerlei Hinsicht besser als erwartet – und für alle Lebenslagen gibt es Unterstützung (wenn Ihr irgendwelche Fragen habt, schreibt mir dazu gerne).  Es wird weiß Gott nicht immer einfach und auch mich warfen Dinge aus der Bahn, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass sie existieren (Panikattacken). Verdrängte Trauer flog mir mit Lichtgeschwindigkeit um die Ohren. Aber auf eine groteske, in der Akutsituation kaum vorstellbaren Weise, bin ich auch daran gewachsen.

Das Wichtigste zu Schluss: Was Ihr für Eure Zuversicht bekommt – das kosmische „Return-on-Investment“, das Ihr für das Durchhalten und Kämpfen gegen Widerstände erhaltet – ist Liebe in ihrer reinsten Form. Das Geschenk Eures Lebens.

„Alles gut, Mama?“ fragt mich der kleine Piranha, wenn ich mir wehgetan habe. „Alles gut, mein Schatz. Nur besser!“

Eure Single City Mama

Die Akte Mitschnacker

Als ich klein war, ängstigte mich nichts so sehr wie die Vorstellung, dass meine Schwester oder ich einem „Mitschnacker“ zum Opfer fallen könnten. Ein Mitschnacker, erklärten meine Mutter und meine Oma uns Kindern damals, ist ein böser älterer Mann, der Kinder mit Bonbons und Versprechen in Wälder lockt, um dort Dinge mit ihnen anzustellen, die ich mir gar nicht vorstellen konnte.

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Vertrauen ist wichtig – doch zu welchem Preis? Wie schütze ich mein Kind vor den Gefahren? (Bild: Fotolia)

Auslöser für die Diskussion war glaube ich damals ein Fall bei XY Ungelöst und ein Vorfall, der sich vor dem Spielzeuggeschäft in der Meppener Innenstadt ereignete. Meine Schwester und ich galoppierten damals (ca. 1989) auf stationären Schaukelpferden vor dem Geschäft um die Wette, als ein Mann mir 5 Mark bot und bat, ihn am kommenden Tag im Wald zu treffen. Ich nahm die Beine in die Hand und rannte zu meiner Oma, die innerfamiliär Alarm schlug. Ob ich Angst hatte oder ihre Erlaubnis, das Geld annehmen zu dürfen, suchte, kann ich heute nicht mehr genau sagen.

Zum Glück kam ich nie wieder in eine ähnliche Situation, aber die abscheulichen Verbrechen an Kindern, die regelmäßig durch die Medien gehen, machen mich wütend, traurig und ängstlich.

Werfen Sie doch die Frage auf, wie wir unsere Kinder in einer Zeit, in der solch kranke Subjekte bis zum Verüben ihrer Tat frei herumlaufen, schützen können, ohne zur paranoiden Helikoptermutter zu werden oder den Kids die Offenheit und das Grundvertrauen in das Gute im Menschen zu nehmen?

Ich bin selbst ein sehr aufgeschlossener, kontaktfreudiger Mensch und komme schnell mit Menschen ins Gespräch. Entsprechend offen geht der kleine Piranha durchs Leben. Überall werden Leute mit einem fröhlichen „Hallo“ begrüßt und Werner und Robbie, sein Plüschgefolge, sind in unserer näheren Umgebung schon kleine Celebritites, da er sie jedem vorstellt. Die meisten Menschen, denen der kleine Piranha begegnet, sind verzückt und berührt von der Offenheit und Freundlichkeit des kleinen Mannes.

Doch es gibt im Freundeskreis auch kritische Stimmen. Als ich vergangenen Mai mit einer Freundin und ihrem kleinen Sohn nach Mallorca flog, wurde schnell klar, dass wir in punkto Erziehung nicht anders ticken könnten. Zwar war der Kleine viel disziplinierter als Ole, doch verbot meine Freundin auch Kellnern und anderen Gästen, den Kleinen zu berühren oder anzusprechen – zu groß war in ihren Augen die Gefahr, dass zuviel Aufgeschlossenheit ihn später zum Gewaltopfer prädestinieren könnte.

Verunsichert sprach ich nach dem Urlaub die Erzieher in unserer Kita und eine Psychologin an. Von beiden Experten erhielt ich den Rat, den kleinen Piranha in meiner Aufsicht gewähren und ihn sein offenes, neugieriges Wesen beibehalten zu lassen, doch ihn mit zunehmendem Alter und Verständnis auch für die Gefahren zu sensibilisieren. Die Psychologin ergänzte, dass dies besonders gut über entsprechende Kinderliteratur funktioniert – das habe ich fest geplant.

Eure Single City Mama

Warum wir Tante Hu lieben!

„You’re simply the best – better than all the rest“ (Tina Turner)

Der kleine Piranha und ich haben eine winzig kleine Familie. Neben uns beiden gibt es im engen Kreis noch meinen Vater – „Baba Opa“ -, meine jüngere Schwester Frauke – „Tante Hu“ – und den Familien-Beagle „Edgar“ – „Wau-Wau“-, der bei meinem Vater lebt.

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Erschöpft, stolz und überglücklich begrüßen wir am 1. Juni 2014 den kleinen Piranha…

Meine Mutter hat der kleine Piranha leider nie kennengelernt, da sie 2011 verstorben ist, aber in unserer Wohnung stehen viele Bilder von ihr, er nennt sie „Oma“ und weiß, dass sie unser Schutzengel ist.

Tante Hu ist meine „kleine“, aber eigentlich viel vernünftigere Schwester, meine beste Freundin, Stimme der Vernunft und die coolste Tante in einer Person.

Egal, ob ich krank war, Liebeskummer hatte oder „alleine schwanger“ war und mein erstes Kind in Abwesenheit des Vaters zur Welt gebracht habe – meine Schwester war und ist immer für mich da. Mit einer Selbstverständlichkeit, die die Gefahr birgt, zur Selbstverständlichkeit zu werden – und das ist es ganz und gar nicht.

Oles Geburt war für den 28. Mai 2014 errechnet. Meine Schwester, die gerade ihre letzte Referendariatsstation in Dublin verbrachte, mobilisierte alles, um pünktlich zur Ankunft des kleinen Mannes wieder in Hamburg zu sein. Als am Vormittag des 31. Mai im UKE die Geburt des kleinen Piranhas eingeleitet wurde, wich meine Schwester nicht von meiner Seite, bis wir den kleinen Mann am Morgen des 1. Juni in den Armen halten konnten. Und als hätte sie nie etwas anderes getan, fügte sie sich blitzschnell in die neue Tantenrolle ein, die sie bis heute mit ganz viel Stolz und Liebe ausfüllt. Und noch viel mehr.

Das heißt nicht, dass immer Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Wir wohnen zwar im selben Haus, teilen den gleichen Humor und viele Werte, aber sind in punkto Persönlichkeit auch ganz schön verschieden. Vielleicht gerade deswegen können wir uns auch mal richtig fetzen, so dass sich schon Leute auf der Straße erschrocken haben. Doch in der Regel ist spätestens nach ein paar Tagen wieder alles gut und meistens lenken wir beide ein.

Tante Hu hat als Anwältin für „Mergers & Acquisitions“ in einer internationalen Großkanzlei weiß Gott genug um die Ohren. Aber sie liebt den kleinen Piranha wie ihr eigenes Kind – und für den ist seine Tante ohnehin die Größte. So tönt es morgens „Tante Huuuu“ schon aus dem Gitterbett und seine Augen strahlen, wenn meine Schwester, die ihn liebevoll „Spätzchen“ nennt, zum Spielen kommt.

Vielleicht ist unsere kleine Familie etwas unkonventionell, aber wir halten zusammen und ich hoffe, dass meine Schwester weiß, dass ich genauso immer für sie da sein werde.

Eure Single City Mama

Die Vertrauensfrage

Gestern hatte ich meine zweite Stunde Craneo Sacral-Therapie. Was ein bisschen nach fern-östlicher Müslisorte klingt, ist eine Art Physiotherapie, bei der der Therapeut die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit erspürt und mit sanftem Händedruck lenkt und beeinflusst. Dadurch soll sich eine tiefe Entspannung einstellen, die Energie kann fließen und man schwebt direkt aus dem Behandlungszimmer.

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Achtsamkeit fördert Vertrauen… (Bild: powerstock/fotolia)

Dr. Rajjid hatte mir diese Therapie verschrieben im Rahmen der Behandlung meiner Ängste. „Musste halt fest dran glauben“, war der Kommentar einiger Skeptiker und auch ich muss ehrlich gestehen, dass ich allem, was nicht knallharte Schulmedizin bedeutet und von Menschen in weißer Kleidung und gequältem Lächeln praktiziert wird, noch etwas zwiespältig gegenüber stehe.

Dabei kenne ich viele, die auf Reiki, Qui-Gong & Co schwören, Globuli nehmen und sogar bereit sind, eine Menge Geld in die Hand zu nehmen, um mit alternativen Heil- und Entspannungsmethoden Körper und Seele wieder auf die Sprünge zu helfen. Aber hatte ich diese nicht bis vor kurzem noch milde belächelt?

Als der kleine Piranha noch ein Säugling war, war ich mit ihm bei einer Osteopathin, weil er unter 3-Monats-Koliken litt. Nach ein paar Stunden, in denen die Therapeutin die Hände unter seinen Kopf gehalten hatte und mein schreiendes Bündel im Fliegergriff durch das Behandlungszimmer trug, sich aber objektiv keinerlei Besserung einstellte und alles, was nachweislich zog, meine EC-Karte war, brach ich die Behandlung frustriert ab. Ich glaubte nicht dran.

Andreas, mein Physiotherapeut, der mir noch am Emfangstresen das „Du“ anbot, nahm sich hingegen mehr Zeit, mir die Dynamik und Wirkungsweise seiner Tätigkeit zu erläutern, so dass ich mit einem besseren Gefühl – mehr Vertrauen – das Abenteuer Heilung begann.

Apropos Vertrauen… Gerade bei einer Angststörung ist es genau dieses „Urvertrauen“, das am stärksten betroffen ist. In einer Panikattacke und auch drum herum verlieren wir das Vertrauen in unseren Körper. Jedes Zippeln, Zucken und Knacksen nehmen wir als potenziell lebensbedrohlich oder zumindest als Ausdruck einer schweren Erkrankung war. Das Nervensystem ist deshalb permanent angespannt und kommt nicht zur Ruhe. Auch das Vertrauen in die Ärzte ist beschränkt. „Was, wenn ich schon als Psycho abgestempelt bin und man mich gar nicht mehr richtig untersucht?“. „Was, wenn es doch etwas organisches ist?“ Ihr ahnt das Dilemma: Angst produziert Angst und was folgt, sind die Symptome. Ein Gedankenkarrusell mit verheerenden Auswirkungen für unsere Seele beginnt und wir selbst schmeißen die Münzen immer wieder rein.

Doch wie kann man die Ängste heilen, die Seele zur Ruhe bringen? Therapeuten sprechen von Achtsamkeit und das ist etwas, das unser ganzes Leben betrifft. Achtsam zu sein, bedeutet sich Ruhe zu gönnen, inne zu halten und alles, was wir tun, aufmerksam und mit Bedacht zu tun. Achtsam ist das Gegenteil von „zwischendurch“, „automatisiert“ und „schnell“. Es fordert die konstante Auseinandersetzung mit unseren Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen.

Heute Morgen habe ich in einem Café auf dem Weg zum Büro gefrühstückt. Ich saß in der Sonne, trank einen Detox-Tee (fühlte mich dabei zugegebener Maßen ein bisschen wie ein Öko mit Ausgang aus dem Reiki-Camp) und freute mich über den Prozess der Heilung, der begonnen hat.

Dieser Prozess ist alles andere als schnell. Noch immer habe ich Panikattacken, noch immer fehlt mir häufig das Vertrauen in meinen Körper. In meinen starken, gesunden Körper, der mich seit 32 Jahren durch die Welt trägt und einem anderen kleinen Menschen bereits das Leben geschenkt hat.

Aber ich bin auf dem Weg: Mit Hilfe der Schulmedizin, mit psychotherapeutischer Anleitung und fern-östlich inspirierter Körpertherapie. Aber vor allem mit einer Menge Vertrauen, die ich mir selbst geben muss.

Eure Single City Mama

Fremdkörper

Wahrscheinlich wird dieser Blogeintrag der persönlichste, den ich in meinem Leben bisher geschrieben habe. Doch da mich die Ereignisse der Woche so mitgenommen haben, ist es mir ein tiefes Bedürfnis, sie zu thematisieren – es mir sprichwörtlich von der Seele zu schreiben – und allen Mamas und Papas und Freunden, die schon mal etwas ähnliches erlebt haben, Mut zu machen.

Körper zu Seele: Kennen wir uns?

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, was mir gemeinhin als „Angst“ kennen, so intensiv gespürt, dass es mich aus den Socken gehauen hat. Unmittelbar, unfassbar stark und so verstörend, dass ich nicht nur die seelische Kontrolle, sondern auch das Vertrauen in meinen Körper verlor.

Auslöser war der vermaledeite Blutdruck-Senker, den – wie sich nachträglich rausstellte – ich gar nicht gebraucht hätte. Die Nebenwirkungen (vor allem Schwindel und Benommenheit) lösten eine so starke Panikreaktion meines Körpers aus, dass ich auf eine Woche mit zwei Rettungseinsätzen und zwei Nächten im Agaplesion Krankenhaus zurück blicke.

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Wenn die Seele baden geht… (Bild: Romolo Tavani / Fotolia)

Wer schon mal eine Panikattacke erlebt hat weiß, dass eine solche Episode zu den belastendsten Streichen, die unsere Psyche uns spielen kann, gehört. Eine konstante nervliche Überlastung (vor allem durch Stress) und Reizüberflutung (ständige Horrormeldungen in den Medien, Todesfälle im Bekanntenkreis, Trennungen etc pp) führen dazu, dass wir uns mitunter auf einem nervlichen Drahtseil bewegen.

Rationalität über Bord: Wenn das Fass überläuft

Irgendwann läuft das Fass sprichwörtlich über und es kommt zu schweren Reaktionen wie einer Panikattacke. Dabei kriegen wir nicht etwa einen kurzen, gehörigen Schreck, sondern unser Gehirn gaukelt uns eine extreme Notsituation vor und ruft gleichzeitig all die körperlichen Symptome hervor, die häufig auch eine (medizinische) Notsituation mit sich bringt. Die Angst überfällt uns dabei anfallsartig und lähmt uns. Todesanst setzt ein und wir sind der Überzeugung, dass unser letztes Stündlein geschlagen hat. Das Gedankenkarrusell geht weiter: Was passiert, wenn ich jetzt umfalle? Ist alles vorbei? Was wird aus meinem Kind? Ihr seht schon: Die Panik wird noch verstärkt. Was nach etwa einer halben Stunde zurück bleiben sind völlige Erschöpfung und eine konstante Anspannung – ein nebliges Schwindelgefühl – und die Angst vor der Angst: Gibt es ein nächstes Mal? Wird es das nächste Mal genauso schlimm?

„Look, there goes sanity“

Dazu die nagende Frage: „Werde ich verrückt?“ Meine Freunde beschreiben mich gern als Chaosbiene, die zwar von Organisation und Struktur weit entfernt ist, aber dabei absolut in sich ruht. Und wenn mich vor einer Woche jemand gefragt hätte, hätte ich nie an meinem seelischen Gleichgewicht gezweifelt. Klar ist der Alltag als Single Mama mit Job und allen Verpflichtungen, die Arbeitgeber 1 und 2 mit sich bringen, alles andere als entspannt, aber ich bin zufrieden. Glücklich.

Ich liebe meinen Job, habe ein tolles Team, liebe Freunde, ein gutes Netzwerk und einen gesunden, munteren Piranha, den ich über alles liebe. Wir haben eine schöne, zentrale Wohnung, sind ökonomisch abgesichert, ich habe ein Auto, Tischmanieren, einen Universitätsabschluss und eine optimistische. empathische Grundpersönlichkeit. Mir geht es gut und trotzdem hat mich die Panikattacke gepackt – ohne Vorwarnung, von hinten, so eiskalt, das ich dem aufs tiefste misstraute, der mein Leben überhaupt ermöglicht – meinem Körper.

Was kommt jetzt?

Als ich heute morgen organisch gesund aus dem Krankenhaus entlassen wurde, fragte ich mich: Was nun? Worauf muss ich mich einstellen? Wochen – gar Monate – wiederkehrender Angst? Rational weiß ich: Das geht vorbei, ich werde im Alltag trotzdem normal funktionieren. Der Piranha wird das alles hoffentlich nicht mitbekommen. Psychologen raten: Lasst die Angst zu. Spürt sie, erlebt sie, lasst sie ziehen.

Gefahr im Verflug?

Gestern Abend besuchte mich mein Kumpel Tom, der Therapeut u.a. für Angststörungen ist, im Krankenhaus. Kurz nachdem er mir alles, was ich über Panikattacken wissen muss, erklärt hatte, ich also kognitiv einen Haken dahinter setzen konnte, packte die Panik mich wieder. Die Attacke kam, während wir uns unterhielten. Ich versuchte die Ruhe zu bewahren, fühlte mich hilfloser und fragiler, als jemals in meinem Leben und Tom tat, was ein Freund tut: Er nahm mich in den Arm, hielt mich fest und sagte „das ist ok. Normal.“. Es geht vorbei. Ich werde nicht daran sterben. Und vor allem ist es heilbar. Und das, wenn man rasch Hilfe sucht, sogar relativ schnell. Auch wenn unser Nervensystem uns etwas anderes vorgaukelt: Wir sind nicht verrückt. Wir sind überlastet. Unser Körper zieht die Notbremse. Steinzeit, Bär & Co.

Wie es mir gerade geht? Ich bin erschöpft. Ich bin optimistisch. Ich will meinen Alltag zurück, die Normalität. Ich muss mehr auf mich achten, gesünder leben, Stress abbauen, um zu meinem inneren Gleichgewicht zurück zu finden.

Wenn Ihr ähnliches erlebt habt, schreibt mir gern. Ihr seid nicht allein!!!

Eure Single City Mama

Der Opa-Faktor

Großeltern sind etwas Tolles – vorausgesetzt man hat das große Glück, mit ihnen aufzuwachsen und sie zumindest in erreichbarer geografischer Distanz zu wissen.

Als ich klein war, waren regelmäßige Besuche bei meiner Oma in Meppen Pflichtprogramm. Wem diese Ortsangabe nachvollziehbarer Weise nix sagt: Meppen ist eine schnuckelige 30.000-Seelen-Kreisstadt im Emsland. Doch schon damals, Ende der Achtziger, gab es mit einem beheizten Hallenbad, einer Freilichtbühne und einer Einkaufsstraße mit Spielzeuggeschäft und Münzpferden vor der Tür alles, was das Kinderherz begehrt.

Doch viel mehr als die kindgerechte Infrastruktur Meppens ist mir die Leidenschaft meiner Oma in Erinnerung geblieben, mit der sie meine Schwester und mich betreut und verwöhnt hat. Ihr Haus wurde während unserer Besuche zur Schneiderei kindgefertigter Haute Couture, ihre Polstergarnitur ein Reiterhof und meine Oma nahm uns stolz zu sämtlichen Lady-of-Leisure-Aktivitäten wie Kegeln, Kniffeln und Kaffeekränzchen mit und übertrug uns die hoheitsvolle Aufgabe, an ihren Geburtstagen die Anruf-Checkliste zu führen (wer nicht anrief, war unten durch).

Leider lebte meine Mutter nicht mehr, als Ole das Licht der Welt erblickte. Sie wäre eine fantastische Oma gewesen mit einem Coolness-Faktor, um den ihn viele Kids beneidet hätten. Dafür hat der kleine Piranha schon heute ein sehr inniges Verhältnis zu meinem Vater (70), der in punkto großelterlicher Fürsorge über sich selbst hinaus wächst. Auch auf der väterlichen Seite gibt es auch noch einen lieben Opa, den er mit zunehmenden Alter sicher noch besser kennen lernen wird.

Und im vergangenen Jahr ist „Leihomi“ Claudia durch einen Aufruf auf Babysitter.de in unser Leben getreten. Claudia ist auf den ersten Blick alles andere als eine „klassische Oma“, sondern im Gegenteil, eine sehr modebewusste, unheimlich attraktive und elegante Dame, deren leibliche Enkelkinder in Australien leben. Claudia passt nun ein mal in der Woche auf den kleinen Piranha auf und die beiden verstehen sich prächtig. Natürlich ist Claudia – wie die meisten Menschen in unserem Leben – wesentlich konsequenter, wenn es um die Bockphasen und Tischmanieren des kleinen Piranhas geht und verwöhnt ihn auf der anderen Seite durch Spielen und Spazieren mit einer Engelsgeduld, die mir selbst meist völlig fehlt.

Die Moral von der Geschicht‘: Verdirbs Dir mit Deiner Familie nicht 😉

Nein, Quatsch: Aber ich bin überzeugt, dass ein gutes Netzwerk aus Familie (biologischer und selbstgewählter) und engen Freunden eine Riesenentlastung ist und dafür sorgt, dass sich nicht nur Mama mal entspannen kann, sondern auch die Kids verschiedene Eindrücke und Einflüsse durch handverlesene enge Bezugspersonen mit auf ihren Weg bekommen.

Doch dafür müssen wir ihnen vertrauen – was manchmal gar nicht so einfach ist. Was denkt Ihr?

Sonnige Grüße,

Eure Single City Mama

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