Enzyklopämama

Happy Friday meine Lieben,

der Alltag hat uns wieder und ich strauchele mal wieder ein bisschen mit meinem leidigen Lieblingsthema: Zeitmanagement.

Irgendwie ist da bei uns der Wurm drin. Ich schaffe es kaum, den Piranha morgens pünktlich um 9.00 in der Kita (15-20 Min Autofahrt von uns entfernt) abzuliefern. Nachdem ich neulich erfuhr, dass das Kita-Frühstück bereits um 8.00 stattfindet, heißt es nun morgens für mich ein Frühstück für den Piranha und mich vorzubereiten.

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Wieso – weshalb -warum – wenn Mama was nicht weiß, ist sie dann dumm? (Bild: iStockphoto)

Das ist an sich auch gar kein Problem, solange ich ihm eine Schale Früchtemüsli und das iPad auf den Tisch stelle und eine halbe Stunde lang Paw Patrol über den Screen dudelt. Kann doch nicht sein, dachte ich mir heute morgen und fühlte mich rabig. Bald steht RTL2 vor der Tür und blendet Untertitel ein! Nachdem der Piranha sich um 8.00 aus den Federn erhoben hatte, begann er bereits zu maulen.

Ich hatte am Esstisch Brötchen mit Marmelade, Lachs und Käse kredenzt, dazu frisch zerlegte Apfelsine und Orangensaft – ein Festmahl. Doch der kleine Piranha war erbost und bockig. Er wollte nichts essen und erst recht nicht in die Kita. Nach langem Nachfragen erfuhr ich den Grund: Ein anderes Kind hatte ihn geärgert. Na und? – sagte ich und blickte in ein verständnisloses Gesichtchen. „Aber ich hab „Halt Stopp“ gesagt, und er hat mich immer noch geärgert“. Die logische Konsequenz für den Piranha: Nicht mehr in die Kita gehen.

„Aber Du kannst doch auch immer zu den Erziehern gehen und Du hast doch auch ganz viel Spaß und überhaupt“, gab ich mich enthusiastisch – wie sonst sollte ich dem Hedonismus eines Vierjährigen begegnen?

Schlussendlich gelang es mir, das wütende Kind gesättigt in der Kita abzuliefern um direkt ins Büro zur ersten TelKo zu düsen. Vor Ort gelobte ich zerknirscht Besserung. Morgen werde ich uns den Wecker noch früher stellen, noch konsequenter das Bocken ignorieren… hakuna matata! Andere schaffen das doch auch!

Ich hab das Gefühl, dass der kleine Piranha kognitiv nochmal einen Riesensprung gemacht hat. Er fragt mich ständig Löcher in den Bauch und erfragt sich komplexe Zusammenhänge. Oft stoße ich an meine Grenzen. Wie erkläre ich was meinem Kind?

Ganz schön tricky, wenn es zum Beispiel um komplexe naturwissenschaftliche Zusammenhänge  (mein Biologiewissen endet mit den rudimentären Grundlagen der Photosynthese und dem Winterschlaf von Igeln), körperliche Prozesse („Mama, kann ich ersticken, wenn ich zuviel pupse?“) – oder noch prekärer – den weiblichen Zyklus geht. Versucht mal einem Vierjährigen die Funktion eines Tampons zu erklären ohne verstörende Bilder auszulösen.

Zudem muss ich immer damit rechnen, dass ich in der Kita brühwarm als Quelle genannt werde, da der Piranha naturgemäß Informationen kaum filtert. „Scheiße auch noch mal“ tönte er neulich und ich erklärte dem Piranha, dass man das nicht sagen sollte. „Aber Baba-Opa sagt das ganz oft“, stellte der kleine Mann verwundert fest. Mein Vater gelobte beschämt Besserung.

Egal ob Zeitmanagement, Ordnung, Manieren oder Eloquenz – je älter der Piranha wird, desto stärker wird meine Vorbildverantwortung. Ganz schön tricky manchmal, aber auch eine Chance zur Selbstreflektion ;-). In diesem Sinne – HAKUNA MATATA.

Liebste Grüße von Eurer

Single City Mama

 

Warum ich im Erklärbärtum eine Niete bin (darum!)

Liebste Lieblingsmamas,

der kleine Piranha hat gerade einen gruseligen Infuenza-Virus auskuriert und frönt derzeit mit beharrlicher Leidenschaft sehr unterhaltsamen Identitätsspielen – und Fragemarathons (Marathonen? Egal…).

Ehrlich – ich habe nicht die geringste Ahnung woher das Kind seine Phantasie nimmt. Meine eigene reicht meist nicht mal mehr aus, um für enge Freunde und Verwandte ein semi-originelles Geburtstagsgeschenk zu besorgen und der Piranha konstruiert ganze, zumeist animalische Biografien – allerdings (noch) ohne die entsprechende Garderobe.

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Der kleine Piranha wäre oft gerne einfach der kleine Hai… (Bild: Horror-Shop.com)

Mal ist er „Eddie“, unser Beagle, der bei Baba-Opa wohnt, mal der kleine Wauwau (nicht zu verwechseln mit dem großen Wauwau – ratet, wem diese Ehre zuteil wird…), mal ein Hai, der nur in kalten Gewässern schwimmt (die kürzlich selbst eingeforderte kalte Dusche von Baba-Opa fand er allerdings weitaus weniger großartig), und mal ist er einfach nur Mama.

„Du bist Ole und ich bin Mama“ erklärt mein kleiner Drei-Käse-Hoch, nur um mich direkt im Anschluss mit tückischen Suggestivfragen zu überrumpeln. „Möchtest Du heut in der großen Heia schlafen, Ole?“ fragt mich das Kind scheinheilig und lacht sich dabei diebisch in seine kleinen Fäustchen.

So gerne ich seine Elaborationen höre – oft stoße ich beim antworten an meine imaginären Grenzen. Denn der kleine Piranha fragt sich alles ganz genau nach und fordert Erklärungen bis ins kleinste Detail. Warum? Wieso? Weshalb? Das läuft meistens so ab.

Piranha: Wohin fahren wir?

Ich: Nach Hause.

Piranha: Warum?

Ich: Weil es spät ist.

Piranha: Warum ist es spät? oder Warum ist das unser Zuhause?

Ich: Darum. Oder: Weil wir dort wohnen.

Piranha: Warum wohnen wir da?

Ihr versteht das Konzept…

Die Fragerei ist toll … und zermürbend … darum, seufze ich oft nach der fünften Schleife resigniert und fühle mich gleichzeitig ein bisschen rabig.

Gibt es etwas pädagogisch wertloseres als eine Mutter, die den Wissensdrang ihres Kindes unterbindet? Vermutlich nicht, also ziehe ich mir Erklärungen aus dem Hintern, über die selbst die Schnullerfee und der Weihnachtsmann nur herzhaft lachen könnten. Haarsträubend und jeglicher Logik trotzend. Den Bluff durchschaut manchmal sogar der kleine Piranha. „Aber Du hast doch gesagt…“ FUCK!

„Elephants never forget“ sagt Tante Hu gerne, wenn sie mich mit irgendeiner Peinlichkeit aus der näheren und ferneren Vergangenheit aufzieht. Piranhas never forget. Und ich bin froh, dass ich mich nie für ein Lehramt entschieden habe.

Warum? Darum! (verdammte Kiste, um es mit den Worten des kleinen Mannes zu sagen)

Eure Single City Mama