Chillige Nacht, heiliger Schmaus!

Lieblingsleser,

nach dem Fest ist vor dem Fest!

Wir haben die Feiertage gut überstanden. Kugelrund und wirklich seeehr entspannt (ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so oft ausgeschlafen habe!). Der Weihnachtsmann war fleißig, der Piranha etwas dankbarer, als es die letzten Jahre der Fall war – und es gab tatsächlich kaum nennenswerte Streitereien. Vielleicht auch, weil wir alle tierisch erkältet waren und gar keine Energie für Diskrepanzen hatten. Weltreise-Retournée Tante Hu und ich haben viel gechillt und uns auf den neuesten Stand gebracht.

Entspannt und muckelig – unser Weihnachten im Mini-Kreis. Gestern ausnahmsweise mit Freunden.

Ich genieße es sehr, meine weise „kleine“ Schwester wieder um mich zu haben. Zum Einen, weil wir uns wieder über alles mögliche kaputt lachen können, und zum anderen, weil wir gerade einigen Stress mit unserem Elternhaus haben und Tante Hu verhandlungstechnisch ein Ass ist. Morgen Abend gehen wir zu zweit schick essen, um unsere Wiedervereinigung zu zelebrieren. Am Neujahrstag bricht meine Schwester dann auf gen Thailand, den vorletzten Stop ihrer Weltreise.

Der kleine Piranha bemalt fröhlich selbst-gegossene Gipsdinos…

Der kleine Piranha wurde zum Fest reich beschenkt. Neben diversen Büchern lagen ein batteriebetriebener Hund mit Leine unter dem Baum, ein Gips-Dino-Set, ein Kampfkreisel, ein schlauer Stift nebst Literatur, ein Dosenwerf-Set und Spiderman-Bettwäsche. Auch von den Paten und seinem Vater gab bzw. gibt es noch Geschenke, so dass der Piranha wirklich nicht klagen kann.

Zu Weihnachten bekam ich von meiner Schwester eine neue Sonnenbrille (von mir gab es Tickets für „Pretty Woman“). Eine fiese Mittelmeer-Welle hatte mir während unseres Ibiza-Urlaubs im September meine heißgeliebte Ray-Ban Jackie O II vom Kopf gespült. Weder die Tatsache, dass ich etwa 30 min hilflos dreinblickend vor dem Meer stand, noch meine unter den umliegenden Engländern verteilten Visitenkarten (der Bademeister vermutete glaube ich ein sehr offensives Flirt-Manöver) konnten Jackie retten – sie blieb gemeinsam mit meinem Bolero und einem Cappi in den Fluten verschollen. Jetzt konnte ich meinen Grashüpfer-Style zurück erobern und bin für den nächsten Sommerurlaub gerüstet.

Apropos Urlaub: Ich teilte meine Pilgerpläne mit meiner Schwester. Da sie mich vermutlich besser kennt, als jeder andere, beschlossen wir erstmal ein Wochenende im Harz vorzuwandern, um mein Camino-Unterfangen einer Realitätsprüfung zu unterziehen.

Heute sprachen wir über Neujahrsvorsätze. Oft ist es im Alltagsgewusel gar nicht so einfach, gut zu sich zu sein. Also beschlossen wir, genau das zu versuchen: Auszeiten nehmen, öfter mal unsere superbequeme Comfort Zone zu verlassen (das habe ich Anfang des Monats ja schon mal geübt) und uns selbst viel mehr wertzuschätzen.

Auch ein glühender Vino kann Wertschätzung sein 😉

Der Piranha schätzt gerade das Rabatzz wert – ein wuseliger Indoor-Spielplatz, den ich nur mit sehr viel Kaffee, meinem Laptop und diversen Klatschzeitschriften überstehe. Am Nachbartisch habe ich gerade eine alte Klassenkameradin gesichtet, mit der ich mir schon zu Schulzeiten nichts zu sagen hatte. Und da mir grad so gar nicht nach Small Talk ist, flüchte ich mich einfach mal in die Anonymität der 17 Jahre „out of sight“.

Läuft bei uns 🙂

Ich wünsch Euch was, Ihr Lieben. Macht das Beste aus den „Geistertagen“ zwischen den Jahren.

Eure Single City Mama

Komplimente, Chaos und Camino

Hohoho meine Lieben,

heute ist ein aufregender Tag! Tante Hu ist back in town – ich hab sie noch gar nicht gesehen, weil ich bin den ganzen Morgen unterwegs war.

Getreu meines höchstchaotischen Grundnaturells hatte ich nämlich bis zum letzten Tag gewartet, um die logopädische Verordnung für den Piranha beim Kinderarzt rauszuholen. Das lag unter anderem daran, dass die Versichertenkarte weg war, aber ich verkürze mal an dieser Stelle, da sich bei strukturierten Menschen spätestens jetzt nur noch Kopfschütteln breitmacht… Bei allen, die mich persönlich kennen, gesellt sich ein „Typisch Wiebke“ dazu.

Wenn ich ein Gegenstand wäre… Bild: Pixabay

Also, eigentlich wollte ich nur schnell das Rezept abholen und dann ins Büro düsen. Schnell ist allerdings an dieser Stelle durchaus relativ zu betrachten, da die Praxis auf dem riesengroßen Gelände des Hamburger Uniklinikums liegt.

In der Praxis warteten schon so viele kleine pustelige Fieberwürmchen, dass ich die Zeit, während die Verordnung ausgestellt wurde, sinnvoll für ein bisschen Last-Minute-Shopping in der Ladenstraße des UKE nutzte.

Ha: Manchmal (eher selten) kommt mir meine Chaos-DNA sogar ein bisschen gelegen. Dadurch, dass ich sämtlichen Süßkram und Baum-Kerzen auf den letzten Drücker kaufte, war nämlich alles bereits um 50% reduziert. Whoop! Als ich mit einer Containerladung Zucker an der Kasse stand und hinter mir ein älterer Herr mit einer einsamen Zahnpasta-Tube wartete, ließ ich ihn natürlich vor und wir kamen kurz ins Plaudern.

Letztendlich musste er sich doch wieder anstellen, da die Kassiererin schon begonnen hatte, meine Einkäufe abzuziehen. Als der Herr dann schon bezahlt hatte und ich noch die Weihnachtskulinarik verstaute, machte er auf dem Absatz kehrt und schaute mich freundlich an. „Eins hätte ich fasst vergessen“ begann er, und ich dachte, jetzt kommts: Essen Sie nicht soviel Schokolade, Ihr Hintern ist üppig genug. „Bleiben Sie genau so, wie Sie sind“. Ich war total gerührt!

Unser einziger Back-Tag dieses Jahr… Ihr seht, warum 😉

Der kleine Piranha ist sehr aufgeregt ob des morgigen Tages. Ein wenig wittert er den Braten und fragte schon misstrauisch, was denn wäre (rein hypothetisch) wenn ich die Geschenke einfach kaufen würde und es gar keinen Weihni gäbe. Huch? Ehrlich gesagt bin ich gar nicht mehr sicher, wie lange ich damals diesen Plot geschluckt habe, aber dieses Jahr kommt er auf jeden Fall noch, der Herr mit Rauschebart. Zufällig, wenn wir gerade mit Eddie gehen. Mensch. Sowas. 😉

Leider würde dann nämlich auch mein Druckmittel wegfallen. Pädagogisch katastrophal war nämlich mein einziger Rescue (neben Peppa Wutz) gestern Abend das vermeintliche Telefont mit Santa.

Der Piranha und ich waren nach dem Weihnachtsmärchen (Die Olchis) abends spontan beim Griechen eingekehrt und da das Kind bereits Popcorn und ähnlich gesunde Snack intus hatte, war er voll in Fahrt (Olchi-inspirierte Geschichten von Pupskacka, während unsere Tischnachbarn mittelschwer pikiert in ihrem Gyros stocherten und mich und mein verzogenes, ordinäres Blach verfluchten).

Rechts neben uns saß ein alter Kita-Buddy aus unserer alten ****-Kita (Ihr erinnert Euch vielleicht, mein erster und zum Glück bisher einziger Auftritt vor dem Amtsgericht im Mai) mit seiner Familie, die ich zunächst gar nicht erkannte. Nach 30 Minuten fiel bei mir der Groschen.

Ich kippte mir den Uozo, während der Piranha den kleinen Jungen am Nebentisch vollschallerte. So exzessiv, dass dessen älterer Bruder schon die Befürchtung äußerte, die Verrücktheit meines Kindes könnte ansteckend sein. Als nichts mehr half, erfragte ich die WLAN Daten, zerschepperte noch mein bis dato heiles iPhone (ein Hoch auf die All Inclu-Versicherung für Profi-Chaoten wie mich) und übergab die Erziehung des Kindes an die grunzende Schweine-Familie Wutz, während ich meinen Gyros aß. Choose your battles wisely!

Heute Abend gibt es nochmal eine Runde muckeligen Weihnachtsmarkt mit Freunden und eine feucht-fröhliche Sushi-Reunion mit meiner Lieblingsschwester. Ich möchte alles über die Weltreise hören.

Apropos: Seit ich vor einigen Tagen beim Vino mit Tante Hus Zwischenmieterin Johanna zusammensaß, die im September den Camino (Jakobsweg) gewandert ist, lässt mich die Idee nicht los. Ich hatte das 2012 schon mal vorgehabt, aber irgendwie immer wieder vertagt (200km + Wanderungen sind jetzt nicht unbedingt etwas, das man mit mir in Verbindung bringen würde). Aber die Idee… und die Landschaft… die Erlebnisse… Eine Bekannte von mir hat sogar ihren späteren Ehemann beim Pilgern kennengelernt. Und alle (beide), die gepilgert sind und die ich persönlich kenne, sind so begeistert!

Nach einer Flasche Weißburgunder, war ich bereit, in die Wanderstiefel zu schlüpfen ❤

Ich habe Blut geleckt und werde die Idee mal weiter spinnen. Zur Einstimmung hab ich gestern Abend auf Prime schon mal „Dein Weg“ mit Martin Sheen (toller Schauspieler btw, der Vater von Bad Ass Charlie) angesehen.

Vielleicht wird der Camino Portugues mein Reiseabenteuer 2020. Ich halte Euch auf dem Laufenden. Jetzt kommt erstmal der Weihni mit seinen Gaben – und hoffentlich wenig Stress im Gepäck.

Habt einpaar schöne Feiertage, Ihr Lieben!

Eure Single City Mama

Tranquility & Tännchen-Time

Lieblingsleser,

in diesen Tagen beneide ich den kleinen Piranha sehr. Der Wunschzettel ist geschrieben, das Karussell wird sehr fleißig befahren (manchmal höre ich meine Bankberaterin ganz leise weinen) und der kleine Mann ist voll im Santa Spirit. Besinnlicher Giermodus an! Was ich von mir irgendwie nicht behaupten kann. Nach turbulenten Wochen und einer Riesenladung Freizeitstress versuche ich gerade mein inneres Gleichgewicht wiederherzustellen. Spoiler: Soviel Glühwein kann ich grad gar nicht trinken!

Ein schiefer Baum und zero Besinnlichkeit. Ich muss den Piranha fragen, wie er das macht mit dem Xmas-Spirit!

Achtsam sein, Auszeiten nehmen… würde ich ja so gern, wenn der Tag mehr Stunden hätte. Aber irgendwas ist wirklich immer. Wirklich! Im Job habe ich meine Stunden gerade auf eine Vier-Tage-Woche verteilt, weil der Piranha Freitags zur Logopädie muss.

Das heißt ein „freier“ Freitag (woohoo!!), aber die restlichen Tage sind entsprechend lang. Plus der dazugehörigen Logistik, ist das gar nicht so einfach, geschweige denn irgendwie entspannt. Vielleicht ist das aber auch eine total doofe Ausrede und ich müsste einfach besser Prioritäten setzen. Oder überhaupt priorisieren. Wieso fällt mir das eigentlich so schwer? Vielleicht wird Freitag ab jetzt mein Tag!

Die letzten zwei Wochen war ich gefühlt nur unterwegs. In Schottland, in Süddeutschland, insgesamt 5 Stunden im Flieger und 15 Stunden in der Bahn in 10 Tagen. Und wenn ich nicht Out-of-Town war, dann war ich die letzten Tage abends, nach dem Zubettgehen des Piranhas, on Tour. Vino mit Freunden, das monatliche Pubquiz in der Schanze, Weihnachtsmarkt, Klamotten von Galeria, die ich unbedingt bis heut abend noch umtauschen muss, um die Frist zu wahren… Mein Körper signalisiert mir spätestens seit dem Mammut-Trip durch Deutschland am WE, dass ich doch bitte einen Gang runterschalten sollte. Ich bin unglaublich müde.

Aber: Ein Teil von mir flüstert, dass ich das doch alles gerne tun möchte und nichts canceln mag. Mein erster Impuls, als das diffuse Stressgefühl in mir aufkam, ich schlechter schlief und mich irgendwie bäh fühlte, war, dass ich mir unbedingt etwas Pflanzliches zur Beruhigung holen sollte. Betäubung ist viel einfacher als Änderung… sagte der Lemming und hüpfte fröhlich über die Klippe. Ich bin hochoffiziell ein High-functioning-Stress-Verdränger!

Die Crux: Stress und Gefühle wegdrücken funktioniert nur bedingt gut und hatte mich ja schon vor 3 Jahren straight in die Panikattacken befördert und Gewichtsschwankungen begünstigt.

Also ist der zweite Gedanke, vielleicht einfach mal wieder etwas auf die Bremse zu treten, einen Abend entspannt nur mit mir selbst zu netflixen und auszuspannen, bestimmt erfolgsversprechender. Ich kann ja nicht schon wieder urlauben. Obwohl… 😉 Zumindest ist das der Masterplan für heute! Ehrlicherweise allerdings nur, weil meine Freundin Sybille unser Date abgesagt hat, um sich zu schonen… Ein Wink mit dem Zaunpfahl?

Mittlerweile stehen auch die Bäumchen – einer im Treppenhaus und einer bei uns im Wohnzimmer – und ich freu mich schon ganz doll auf die Rückkehr meiner Schwester am Montag. Das ist eigentlich schon Weihnachtsgeschenk genug und wir haben gemeinsam beschlossen, schon mal eine Kiste Vino einzukühlen. Weltreise-Bericht und Status Update ❤

Der Weihnachtsmann hat zum Glück den Online-Versand für sich entdeckt und hat bereits „delivered“. Verpacken werde ich vermutlich beim Vino.

Heiligabend gibt es bei uns immer ein köstliches Seafood-Dinner, den obligatorischen Anspannungsstress und zwischen Tagen freue ich mich, Zeit mit meiner Sis zu verbringen – Neujahr verlässt sie mich nämlich schon wieder für den letzten Part ihres Sabbaticals, Thailand.

Ich wünsch Euch was, Ihr Lieben.

Eure Single Santa Mama

Angst erkannt, Angst gebannt!

Lieblingsmamas,

im Intro schreibe ich ja, das der Blog auch ein Ratgeber sein soll – allerdings habe ich oft gar nicht soviel Rat zu verteilen 😉

Dafür springe ich mal meinen Schatten und gewähre Euch einpaar sehr persönliche Einblicke – und das Wichtigste: Was ich daraus gelernt habe.

Na gut: Das Fazit vor weg. Man kann über Gefühle reden. Sogar Männer (also einige) können das richtig gut – und manchmal ist es selbst die Antwort, die das Ego gar nicht hören will, eine, die einen unglaublich befreit. Ich habe meinen allerersten Korb bekommen. Nicht, weil ich so eine unwiderstehliche Femme Fatale bin. Sondern weil ich mich das erste Mal weit genug aus meiner Comfort Zone gelehnt habe, um ihn entgegen zu nehmen.

Ein Korb muss gar nicht immer schlecht sein… (Bild: Pixabay)

Aber von Vorne. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren habe ich jemanden kennengelernt. Ganz klassisch und retro bei einer Hochzeitsfeier.

Irgendwie passiert es mir relativ selten, dass ich jemanden treffe, der mir auf Anhieb gefällt, aber der besagte Mann (an dem Abend mein Tischnachbar) und ich waren uns sofort sympathisch und ich fand ihn gut und fand, dass er eine tolle Stimme hatte. Wir hatten einen superschönen, durchtanzten Abend. Und obwohl die Umstände absolut dagegen sprachen und ich irgendwie „vergaß“ zu erwähnen, dass ich Mama bin (Shame on me, aber es war ja „nur“ ein Flirt mit einem Fremden) ging mir der Kerl nicht aus dem Kopf. Ich war total begeistert.

Wir tauschten Kontaktdaten und mailten einpaar mal, aber relativ schnell war erstmal Funkstille. Nagut, dachte ich, bzw. nicht gut, aber Shit happens. Hatte ich mich halt verschätzt. Ich löschte den FB Kontakt und dachte nicht mehr oft daran, bis er mir einige Wochen später schrieb, dass er beruflich auf dem Weg nach Hamburg sei.

Um es kurz zu fassen: Wir trafen uns in großen Abständen immer mal wieder zum Kaffee oder Essen. Manchmal fragte er mich aus dem Nichts heraus so kurzfristig und indirekt, dass ich es ziemlich frech fand und schon aus Prinzip absagte. Aber: wenn wir uns sahen, war es immer nett, wir hatten uns viel zu erzählen, und ich fand ihn attraktiv und interessant. Selbst mein Bauchgefühl war total gespalten.

War da was? War da nichts? War das Schüchternheit? War das Platonik? Ich konnte es überhaupt nicht einordnen. Aber musste man da überhaupt ein Schild dranmachen? Ich googelte. Ernsthaft, das ist mir ehrlich peinlich, aber ich googelte. „Woran erkenne ich, dass mich jemand mehr als mag?“ PS: Das wäre vermutlich die Antwort gewesen…

Ich weiß nicht warum, aber ich dachte immer mal wieder an ihn. Er versuchte nie, mich zu küssen oder irgendwie anders die Initiative zu ergreifen, und ich hätte mich das auch niemals getraut. Also tat ich das, was man bzw. frau gerne tut: Ich ließ es einfach laufen. Was hat man bei einem Kaffee schon zu verlieren?

Trotzdem merkte ich, dass es mich in Phasen immer wieder intensiver beschäftigte. Ich datete auch andere Männer, aber der besagte Tänzer ging mir nicht aus dem Kopf. Vielleicht, weil es mir selten passiert, dass die Chemie so schnell stimmt? Oder vielleicht idealisierte ich das Kennenlernen? Ich kannte ihn ja eigentlich kaum und hatte keine Ahnung wie er so tickte. Bloß, dass ich ihn anziehend fand und interessant. Biochemie at its finest!

Nach einem – in meinen Augen – total schönem Date, etwa ein Dreiviertel Jahr später, hörte ich erstmal gar nichts mehr von ihm… Ich wurde anscheinend „geghostet“! Nunja, auch das soll passieren. Schade, aber nicht unüberwindbar. Und wieder versuchte ich es abzuhaken, wünschte ihm noch einmal vermeintlich erwachsen alles Gute und lebte mein Leben ohne den Kontakt weiter.

Aber wie das mit ungeklärten Dingen oft so ist, ging er mir immer noch nicht ganz aus dem Kopf. Es gab ja keinen Abschluss. Über ein Jahr später hatten wir wieder Kontakt, die Initiative ging mal von ihm und mal von mir aus. Es hätte alles oder es hätte nichts bedeuten können. Und mir fehlten einfach die Vergleichswerte, weil ich solche Situationen sonst immer sehr gerne vermeide. Normalerweise (gerade, wenn man in der gleichen Stadt wohnt) und sich kurz hintereinander einpaar mal trifft, merkt man ja ganz fix, ob da „mehr“ ist. Ach, es war kompliziert.

Wieder war es nett, aber es begann auch, sich komisch anzufühlen. Irgendwie schief. Ich merkte, dass ich unbewusst und ganz egoistisch Erwartungen entwickelte (Jetzt mach doch mal was! Küss mich einfach, damit wir merken, ob da was ist! Oder sag, dass Du eine Freundin hast oder jemand anderen toll findest! Irgendwas, was das Ganze hier mal entwirrt… dachte ich… und versteckte mich total bequem hinter diesem Gedanken. Lass den Mann mal machen 😉

Selbst zu fragen bzw. mich zu positionieren, wäre mir niemals in den Sinn gekommen. Oh Gott, wie peinlich, sich nach all der Zeit einen Korb einzufangen bzw. mir eingestehen zu müssen, dass nicht jeder besondere Abend in längerfristiger Romantik endet bzw. Gefühle auch mal nicht erwidert werden. Schlimmstenfalls würde das ja so aussehen, als ob ich es richtig nötig hätte, einem One-Night-Flirt hinterherzujagen. Och neee, dann lieber schweigen und vage halten.

Ich hab auch schon einige Male einem Mann sagen müssen, dass ich ihn leider nicht SO mag, wie er mich, und es war gar nicht so schlimm. Manchmal ganz schnell, manchmal nach einigen Monaten Dating. Nicht schön, aber nie schlimm. Aber selbst eine Abfuhr zu kassieren? Oh nein! Hab ich was Doofes gesagt? Fand er mich nicht mehr attraktiv? Nicht charmant genug? Hab ich mir das Alles vielleicht nur eingebildet? Völlig verkopfte Überforderung. Und vor allem: ANGST!!!

Dieses WE, nach drei Jahren, ergab sich die Gelegenheit, dass ich beruflich bei ihm in der Stadt war. Wir trafen uns und es war nett, aber auch irgendwie krampfig. Ich war verunsicherter denn je, was ich empfinde, konnte an seinem Verhalten auch nicht wirklich Hinweise erkennen, dass er mich mehr als nett findet. Ich wusste aber beim allerbesten Willen auch nicht, wie ich es erfahren sollte. Ganz direkt zu fragen – dafür fühlte sich das plötzlich zu platonisch an. Leier nicht entspannt-platonisch. Oder einen Kuss riskieren und Gefahr zu laufen, zu hören „Du Sorry, aber so mag ich Dich doch nicht“? Nope, sooo mutig bin ich dann wirklich nicht. Allein der Gedanke war widersinnig.

Apropos: Mein erster Gedanke, als ich abends im Hotel war, war, dass ich mich richtig komisch fühlte, obwohl ich ihn als Mensch immer noch gerne mochte und nach wie vor attraktiv fand. Aber ich selbst fühlte mich in seiner Gegenwart nicht mehr authentisch, sondern unsicher und aufgesetzt – und hatte nicht das Gefühl, von meinem Gegenüber begehrt zu werden. Der Funke war irgendwie weg. Gleichzeitig – und das war die Crux – ahnte ich, dass einpaar Monate Abstand mich wieder verunsichern würden. Beim Einschlafen befand ich mich in einem Dilemma. Sollte ich aus falschem Stolz heraus den Kontakt einfach wortlos einschlafen lassen oder die Karten auf den Tisch legen?

Ich tat, was Frauen so gerne tun, und fragte eine gute Freundin. Sie riet mir, es anzusprechen. Der Mann hatte ja eine Bedeutung für mich und ich hatte nicht wirklich etwas zu verlieren – sondern eigentlich nur eine wichtige Lektion zu lernen. Indem ich meine Angst vor was auch immer konfrontierte und mir selbst und ihm eingestand, dass er mir etwas bedeutete, machte ich mich zwar verletzlich, aber bekam auch die Chance auf die längst überfällige Klärung. Nüchtern betrachtet kennen wir uns kaum und wohnen so weit weg von einander, so dass wir uns nie wiedersehen würden. Das Schlimmste, was passieren konnte, war also ein Korb und das war immer noch besser, als ewiges Kopfzerbrechen.

Also nahm ich all meinen Mut zusammen (es war für mich eine absolute Premiere! Ich habe so etwas noch nie, niemals getan! Entweder es hat sich ergeben, oder ich habe es gelassen!) und die Karten auf den Tisch gelegt. Ich schrieb ihm, dass ich ihn gern mag – mehr als platonisch- und dass wir ja beim nächsten mal persönlich darüber sprechen könnten. Ehrlich gesagt erwartete ich nicht, jemals wieder etwas von ihm zu hören. Aber ich hatte mir von der Seele gesprochen, was ich zu sagen hatte. Und konnte damit abschließen.

Das Gefühl, dass er ehrlich interessiert war, hatte ich schließlich nicht mehr gehabt, und die meisten Männer, die ich kenne, hätten bei einer direkten Nachfrage vermutlich die Flucht ergriffen. Auf’s Ghosting war ich vorbereitet.

Umso überraschter war ich, als ich heute eine Antwort bekam, die mich echt beeindruckte. Er hatte sich Mühe gegeben und mir ganz offen für meine Ehrlichkeit gedankt. Gleichzeitig sagte er, dass er gemerkt habe, dass er die Gefühle nicht erwidert. Total straight, ohne Floskeln.

Ich las die Nachricht im Zug und versuchte kurz zu spüren, wie es mir ging. Irgendwie gut. Überwiegend war ich meinem Date nämlich total dankbar für die menschliche Größe dieser Antwort – und – noch viel wichtiger, ich war so glücklich, zum allerersten Mal etwas riskiert zu haben, eine unglaublich tiefsitzende Angst überwunden und damit einen Abschluss bekommen zu haben. Beim nächsten Flirt wird das einfacher und ich warte nicht mehr so lang, bevor ich das Gespräch suche. Muss ja nicht immer der Holzhammer sein.

Hätte ich vielleicht einfach schon vor 2 1/2 Jahren den Mund aufmachen – und es da schon abhaken sollen? Vielleicht. Aber vielleicht hätte ich mich auch um diese wichtige Erfahrung gebracht. Viel wichtiger als der Korb war für mich die Erkenntnis, dass es überhaupt keine schlimme, sondern eine total respektvolle und wichtige Erfahrung war. Er schrieb mir von sich aus total nett und ehrlich, dass es ihm umgekehrt schon genauso ging mit Frauen, die er gut fand, und wir beide merkten, dass man einfach viel offener sprechen sollte. Und verabschiedeten uns nett.

Ihr Lieben, das ist mein Fazit für ein superspannendes, turbulentes 2019. Und mein Rat: Wenn Euch etwas oder jemand bewegt, sprecht es aus!!! Ich bin gespannt, was das Neue Jahr bringt, Auf jeden Fall werde ich ihm mutiger und bewusster begegnen.

Liebste Grüße,

Eure Single City Mama (die sich über einen Korb von einem Mann, den ich wirklich gut fand, freut. Was stimmt mit mir nicht??? Darüber grübele ich später nach 😉

Edinbur(rrr)gh

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Achja, meine Lieben,

Weihnachten naht und die Zeit läuft gefühlt noch mal um Einiges Schneller als sonst.

Was ist passiert im Hause Piranha? Der Herr des Hauses hat seine Seepferdchen-Prüfung bestanden und ist seitdem stolzer Teilnehmer des hiesigen Bronze-Clubs. Tante Hu ist immer noch auf Weltreise und emigriert in diesen Stunden vom Kolumbianischen Cartagena auf das nordamerikanische Festland.

Auch uns hatte das Fernweh gepackt und der kleine Piranha und ich verbrachten gerade ein schönes lange WE im schottischen Edinburgh. Das Wetter war, wie es für Schottland typisch ist, regnerisch und kühl, aber wir hatten jede Menge Programm auf dem Zettel.

Für mich war es der sechste oder siebte Trip in die charmante Metropole, für den kleinen Piranha (stilecht mit Nessie-Mütze bekleidet) war es Premiere.

Wir residierten in einem „Private Ensuite“ im Edinburgh Central Youth Hostel – hauptsächlich, weil es, wenngleich etwas abgerockt, superzentral und absolut bezahlbar ist.

Was man für den Rest Edinburghs nicht behaupten kann. Gegen die Stadt (eine meiner allerliebsten Lieblingsstädte überhaupt) war selbst Tokio ein echter Schnapper – 16,50 Pfund für eine (!) Fahrt mit dem Riesenrad oder 6,50 Pfund für einen primitiven (allerdings ausgesprochen köstlichen!) Nutella-Crepe, weitere 5 Pfund für’s Entenangeln… ich war schockiert!

Da wir zumindest Flug (Easyjet) und Unterkunft günstig geschossen hatten, hatte ich uns noch einpaar kindgerechte Aktivitäten dazu gebucht, darunter eine Schlossbesichtigung (der kleine Piranha war leider nicht ganz so fasziniert, wie ich gehofft hatte), eine Licht-Dino-Ausstellung im Zoo (Urzeittiere als chinesische Laternen – großartig und wirklich etwas Besonderes!) und eine Tour durch das Camera Obscura, die ich in meiner gewohnten Verpeiltheit gleich doppelt gebucht hatte. Nunja.

Wir spiesen Fish & Chips und dinierten am letzten Abend mit meinem alten Freund David, der im Januar zum ersten Mal Papa wird, bei einem hiesigen Italiener Lasagne. David und ich hatten uns das letzte Jahr vor knapp 10 Jahren gesehen, als wir noch jung und unbedarft waren. Es ist schon lustig, wie sich das Leben verändert – allein die Gespräche. Er durfte einem ausgewachsenem Trotzanfall des Piranhas beiwohnen und ich konnte es mir nicht verkneifen, im Hinblick auf die baldige Geburt seines Sohnes öfter mal „Freu Dich schon mal drauf“ einzustreuen.

Insgesamt hatte der kleine Piranha mal wieder zahlreiche Kontakte zu Landsleuten und Einheimischen geknüpft. Schon im Flieger freundete er sich mit einer Fahrrad-Gang aus Hildesheim an, die wir auf dem Leith Walk zufällig nochmal trafen. „Guck mal Mama, da sind die coolen Jungs wieder“, freute sich der Piranha, und deutete auf die bärtigen Mitvierziger, die sich landestypisch in einen Schottenrock geschossen hatten.

Mein Kind sprach fleißig Englisch, stellte sich vor und artikulierte höflich „Thank you“. Da unser erster Logopäden-Termin erst am Freitag morgen ansteht, klappte letzteres besonders gut ;-).

Am Montag flogen wir wieder nach Hause und fädelten uns nahtlos in unseren Alltag ein. Naja fast, der Piranha kam Dienstag in eine unfreiwillige One-on-One Betreuung mit Baba-Opa, da ich den Wecker nicht gehört und gnadenlos verpennt hatte. Letzterer (also Baba-Opa, nicht der Wecker) hatte sich übrigens nach eigener Aussage während unserer Abwesenheit mal „so richtig erholt“. Es sei ihm gegönnt.

Gestern Abend besuchten wir noch den hiesigen Weihnachtsmarkt ums Eck und ich freute mich über bezahlbaren Glühwein und Crepe und einen langen Schnack mit meiner lieben Freundin Sybille. Gegen 21.00 war ich dann so durchgefroren, dass ich kaum das Auto gestartet bekam, weil meine Finger streikten.

Kommendes WE bin ich im Süden. Liebe Freunde treffen und die lokalen Adventsmärkte auschecken. Der kleine Piranha passt derweil auf seinen Opa auf. Und heute zieht noch der Tannenbaum bei uns ein.

Ich wünsch Euch was, Ihr Lieben. Genießt die Adventszeit.

Eure Single City Mama

Kita-Amor und Orgelmusik

Lieblingsmamas,

nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub… oder wie sagt man so schön?

Der Alltag hat mich zumindest mit Lichtgeschwindigkeit wieder absorbiert. Gefühlt hetzen wir täglich von einem Schwimmkurs (2x die Woche), zum Turnen, zum Lichterfest zum… ach, Ihr kennt das! Es ist schön, aber auch ganz schön zehrend – und auf die ewigen Pendeleien, die eine Großstadt wie Hamburg so mit sich bringt, könnte ich gut und gerne verzichten.

Leider ist nach starken Regenfällen auch die Batterie unseres Autos „Lothar“ verreckt, so dass ich aktuell den Flitzer von Tante Hu spazieren führe. Und mir täglich vornehme, den ADAC zu konsultieren und Lothar in die Werkstatt zu navigieren. Ahh… if I had world enough and time (Andrew Marvell).

Der kleine Piranha hat in den vergangenen Wochen noch mal einen großen Entwicklungsschub gemacht und ist mittlerweile eine kleine, reflektierte Persönlichkeit. Er hat ganz viele gute Ideen (und noch mehr komplizierte Fragen) und interessiert sich nach wie vor für alles, was irgendwie mit Biologie, Physik oder Mathe zu tun hat – ganz und gar nichts, was irgendwie mit meinem DNA-Strang in Verbindung zu bringen ist.

Ein Trauma bleibt meine mündliche Abiturprüfung in Physik, als ich mit einem riesengroßen Geodreieck vor der Tafel stand und einfach mal von nichts ne Ahnung hatte, weder von Einstein und seiner Theorie, noch von Strahlen, die irgendwie, irgendwo einfallen… De fuck?

NC-Fächer blieben mir dann zwar verwehrt, aber da meine Begabungen eh im sprach- und literaturwissenschaftlichen Bereich liegen, hat’s ja dann doch noch geklappt 😉 Mein Uni-Zeugnis hat übrigens der Dekan des Instituts für Orgelmusik unterschrieben.

Bild: Pixabay

Was besonders niedlich ist, ist dass der kleine Piranha und seine Kumpels so langsam die Liebe entdecken. Zwar ist der Piranha noch hochoffiziell in mich verliebt (hach <3), eröffnete mir aber auch kürzlich im Indoor Spielpark, dass er bei den Autoscootern „jemanden kennengelernt“ habe. Der Tonfall verriet, dass der Piranha durchaus sehr interessiert war. Das kleine Mädchen und er hatten gemeinsam Bälle eingesammelt und sich damit ein Slush-Eis an der Kiosk-Kasse gesichert. Nummern wurden nicht getauscht.

Auch im Freundeskreis des kleinen Piranhas hat Amor bereits Pfeile verschossen. Während ein Freund sich erklärtermaßen in ein zauberhaftes kleines Mädchen aus dem vorherigen Schwimmkurs verliebt hatte, ist Piranha-Freund Talis sogar schon mit einer Kita-Freundin hochoffiziell in den Hafen der Ehe eingelaufen. Derzeit schauen die Eheleute nach Ringen – sealing the deal, meine Lieben.

Als „Geschiedene“ (mit etwa 5 Jahren hatte ich in Omas Garten in einer feierlichen Zeremonie meinen 2-Jahre älteren Cousin Alex geehelicht. Mittlerweile ist er verheiratet und Papa von zwei Kindern, der Schuft!)) habe ich natürlich vollstes Verständnis.

Heute Nachmittag wird bei uns in der Kita noch das Lichterfest zelebriert, aber da der kleine Piranha vorher noch seinen Seepferdchenkurs am anderen Ende der Stadt hat, werde ich (mal wieder) den halben Nachmittag auf der Straße verbringen. Der Abend-Vino ist bereits eingekühlt.

Ich wünsch Euch was, Ihr Lieben!

Eure Single City Mama

Konichiwa, Japan!

Konichiwa, Lieblingsmamas!

Seit gestern Abend bin ich von meiner ersten Fernreise seit 6 Jahren zurück und es war großartig! 10 Tage Japan – so kunterbunt, wunderschön und köstlich! Meine Schwester (aka Tante Hu) tingelt seit Anfang Oktober im Rahmen eines 4-monatigen Sabbaticals um die Welt.

Mount Fuji – der berühmte Berg. (Bilder: Single City Mama privat)

Nach Namibia und Südafrika war Japan ihr dritter Stopp und ich beschloss Anfang des Jahres, dazu zu kommen. In Japan war ich nämlich auch noch nie und außerdem ist es verdammt lange her, dass wir unserer letzten längeren Schwestern-Urlaub verbracht hatten (14 Jahre um genau zu sein, damals bereisten wir gemeinsam in meinen Semesterferien 2 Monate Australien und Neuseeland).

Sabrina, eine liebe Freundin von mir aus München, hatte die Reise überhaupt erst ermöglicht, da sie mir letztes Jahr anbot, im Falle eines längeren Urlaubs bei uns in Hamburg einzuhüten und auf den kleinen Piranha aufzupassen.

Am 24. Oktober ging es also los. Die ersten Tage übernahm Baba-Opa gemeinsam mit unserer Leih-Omi Claudia und lieben Freunden die Piranha-Logistik. Ich brachte den kleinen Piranha Mittwoch morgen noch in die Kita und stieg am Nachmittag nach einer kleinen Weinverkostung am Flughafen (eine Kiste Weißburgunder wird mir in den kommenden Tagen zugestellt werden) mit einem willkommenden Mini-Schwipps zunächst den Flieger nach Wien – und wenig später saß ich im großen Jet nach Tokio.

So sehr ich das Reisen liebe, so ungern fliege ich lange Strecken. Ich fühlte mich unwohl, stocherte im Essen und war heilfroh, als die Maschine 10,5 Stunden später in Tokio-Narita zur Landung ansetzte. Sicherheitshalber hatte ich mir vorab eine Anti-Thrombose-Spritze gesetzt, was auch ganz gut war, da ich mich auf meinem Fensterplatz so gut wie gar nicht bewegt hatte.

Noch am Flughafen besorgte ich für umgerechnet 100,- einen mobilen Router, so dass wir zum Einen erreichbar sein würden und zum Zweiten auf Googlemaps zugreifen könnten – denn Japans Megacities sind vor allem eines: gigantisch groß! Und mein Orientierungssinn ist unfassbar schlecht bzw. nicht-existent.

Nach einer weiteren Zug- und Metrofahrt kam ich mittelschwer derangiert und übermüdet in unserem Hotel an, wo mich meine Schwester schlafend erwartete. Bei meiner Schwester aka FlyingFrankie war logistisch so ziemlich alles schief gegangen, was schief gehen konnte, so dass sie statt von Johannesburg über Hongkong nach Tokio zu fliegen zunächst zurück nach Frankfurt (!) und dann gen Japan geschickt wurde – 40 Stunden Reiseodysee und unterirdischer Service.

Wir spazierten am Abend noch ein wenig durch unsere neue Hood Kanda, aßen in einer japanischen Kneipe ein sehr authentisches „Überraschungs-Mahl“ und freuten uns auf unsere Reise, die erstmal sehr regenreich begann. Ein Hoch auf die transparenten Plastikschirme, die in Japan quasi omnipräsent sind.

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Sightseeing, besuchten eine sehr coole Lichtausstellung im Digital Art Museum, spiesen im Ninja-Restaurant, in einer Rooftop-Bar über den Dächern von Tokio, machten eine Stadtrundfahrt und liefen uns die Füße platt. Wir quatschen und lachten über Insider bis uns die Bäuche weh taten und die Tränen liefen. Meine Schwester und ich sind nicht nur optisch, sondern auch vom Temperament her sehr unterschiedliche Charaktere, aber wir haben exakt denselben, skurillen, wüstentrockenen Humor. Ich habe lange nicht mehr so viel gelacht wie auf dieser Reise.

Appletinis mit Skyline View ❤

Meine zwei Jahre jüngere Schwester ist übrigens nicht nur meine beste und loyalste Freundin und ehrlichste Kritikerin, sondern auch der Mensch, dem ich im Falle eines Falles mein Kind anvertrauen würde – die „Begünstigte“ meiner Sorgerechtsverfügung. Sie sang dem kleinen Piranha noch durch meine Bauchdecke hindurch Copa Cabana vor, war bei seiner Geburt 24 Stunden lang an meiner Seite und die Wochen und Monate danach eine große Stütze – und sie liebt ihn wie ihr eigenes Kind. Und vice versa. Der Piranha stellt oft fest, dass Tante Hu, erfolgreiche Anwältin für internationales Vertragsrecht, „die Coolste in unserer Familie“ ist. Und damit hat er sicher Recht!

Aber zurück zu Japan: Nach drei Tagen Tokio lösten wir unseren JR Pass (eine Art „Flatrate“ für das örtliche Bahnnetz) ein und fuhren mit dem berühmten Shinkansen Zug nach Kyoto, etwa 2,5 Stunden weiter südlich. Ebenfalls eine Metropole, aber weitaus touristischer und traditioneller als Tokio.

Dort hatten wir ein super zentrales Hotel (die Zimmer sind grundsätzlich winzig, verfügen aber über alles, was man brauchen könnte – und sogar Toiletten, mit denen man sich den Allerwertesten wahlweise waschen und/oder föhnen kann…wenn man das möchte…).

Ein Bekannter von mir, der Kyoto bereits bereist hatte, hatte mir noch einpaar sehr gute Tipps an die Hand gegeben und so saßen wir abends im Ichiran, bestellten am Automaten ein Ramen-Menü (ein japanisches Suppengericht mit Einlage), das wir dann in einem kleinen Kämmerlein einnahmen. Vor einer Klappe reichte eine Servicekraft ohne Gesicht die Mahlzeiten an und meine Schwester und ich klappten die optionale Trennwand neben uns weg, um uns während des Essens zu unterhalten. Es war köstlich und auf jeden Fall ein Erlebnis!

Das Ichiran mit seinen kleinen Speise-Kabuffs ❤

Apropos Erlebnis: Für den folgenden Tag hatte meine Schwester uns ein ultimatives Geisha-Event (traditionelle japanische Künstlerinnen und Unterhalterinnen) gebucht. Dafür fanden wir uns in einem Haus ein, wo wir auf mehreren Stockwerken zunächst vermessen, uns dann ein Kimono-Gewand aussuchen durften, in dieses eingeschnürt und uns zum krönenden Abschluss noch im Nullkommanix professionell die Haare gesteckt wurden. Es war wirklich ein Erlebnis.

Da ich wesentlich kurviger als die Durchschnitts-Japanerin bin, versuchte die arme Schneiderin zunächst meine Oberweite irgendwie flach zu binden – und war schlussendlich auch ziemlich stolz, dass es ihr gelungen war. In unseren Gewändern und mit dem obligatorischen Schuhwerk (weiße Söckchen – ein Geschenk des Hauses! – und FlipFlops) bekleidet, flanierten wir durch einen nahegelegenen Park und einen Tempel. Viele Menschen lächelten uns an, die meisten davon Touristen, und ein Franzose fragte schließlich leicht verschämt, ob er ein Foto von uns machen dürfte.

Ich wollte gerade Small Talk starten und erzählen, wie wir zu unseren Gewändern kamen, doch er huldigte uns nur als „beautiful Japanese Girls“ und erklärte, dass er an meinen Geheimnissen gar nicht interessiert sei. Naaa gut. Ich habe manchmal einen Hang dazu, kommunikativer zu sein, als es eigentlich angebracht ist.

Ihr seht – uns ging es blendend…

Nach etwa vier Stunden verwandelten wir uns wieder in uns selbst zurück und nahmen am Abend noch an einer „Walking Tour“ mit einem einheimischen Guide, dem Rocker „Dai“, teil. Es war sehr spannend. Im Anschluss kehrten wir in einem Sushi-Restaurant (ebenfalls ein prima Tipp von meinem Kyoto-kundigen Bekannten) ein und bekamen dort das absolut frischeste, köstlichste Sushi meines Lebens serviert. Günstig war es nicht, aber jeden Cent wert.

Am nächsten Tag düsten wir weiter gen Osaka, die dritte Metropole, die nur etwa 40 Minuten entfernt ist. Nach zwei Nächten, dem Besuch der bekannten Burg und des hiesigen „Sailor Moon Cafés“ (auf Wunsch meiner Schwester, was ich an dieser Stelle ganz ausdrücklich betonen möchte), bestiegen wir wieder den Shinkansen und machten uns auf Richtung Bergregion.

Unser Zimmerchen in Osaka. Meine Schwester war leider gegen die Kopfkissenfüllung allergisch…

Meine Schwester war etwas angesäuert, da ich unser Ryokan (ein sehr traditionelles, luxuriöses Hotel in Kawaguchiko) gebucht hatte, ohne zu doublechecken, ob uns unser JR Pass tatsächlich für umme dorthin befördern würde. Tat er leider nicht, so dass wir einen weiteren, kostenpflichtigen Bus besteigen mussten, aber es war wie erwartet ein Erlebnis. Abends stiegen wir in unseren eigenen Onsen, ein Art privaten Whirlpool auf der Terrasse, und aßen köstliche Tempuri, frittierte Meeresfrüchte, während ein hiesiger Singer/Songwriter seine Künste zum Besten gab.

Am nächsten Tag gondelten wir noch in Sightseeing Bussen durch die Region, besuchten eine Fledermaus-Höhle, lunchten mit Blick auf Mount Fuji und düsten abends zurück gen Tokio. Dort übernachteten wir für umgerechnet 26,-/Person in einem Kapselhotel. Ich war vorab etwas besorgt, allerdings vollkommen unbegründet – alles war supersauber und modern (im Bad lagen sogar Glätteisen aus) und die Kapseln waren jeweils mit TV und Steckdosen ausgestattet.

Schon waren wir am Ende unserer Reise angekommen. Am letzten Tag besuchten wir noch den Kaiserpalast, wobei uns zunächst der Eintritt verwehrt wurde, da ich noch eine Viertelflasche Sauvignon Blanc spazieren trug. Ich shoppte im Sky Tree Center Souvenirs, während meine Schwester ein örtliches Badehaus ausprobierte, wir streiften durch das berühmte Asakasu-Viertel und am Abend trennten sich an der U-Bahn-Station unsere Wege.

Tante Hu fuhr von Gleis 1 aus zum Flughafen Haneda, von wo aus am späten Abend ihr Weiterflug nach Australien ging. Ich fuhr von Gleis 2 aus zum Flughafen Narita, checkte dort in ein Airport-Hotel ein und hob am nächsten Morgen gen Hamburg ab. 12 Stunden auf einem Mittelplatz waren für mich persönlich ein wahr gewordener Albtraum, wobei es im Nachhinein nicht so schlimm war, wie befürchtet. Der Boing Dreamliner ist relativ komfortabel und ich wurde flankiert von zwei japanischen Herren, die eigentlich nur geschlafen haben.

Ich beschloss, mir nach kurzem Zögern „The Fault in our Stars“, die Verfilmung eines unglaublich guten, unglaublich traurigen John Green Romans über die Liebe zwischen zwei todkranken Teenagern anzusehen.

Nicht die klügste Idee, die ich jemals hatte, denn ich weinte bitterlich und musste sämtliche Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht komplett die Fassung zu verlieren. Außerdem hatte ich keine Taschentücher, was die Sache nicht besser machte. Auf den letzten Metern musste ich den Film dann doch abschalten, da sonst alle Dämme gebrochen wären, und schaute stattdessen „A Star is Born“.

Am Abend holten mich mein Vater und sein bester Freund Ferry vom Flughafen ab und gemeinsam sammelten wir den Piranha von seinem Freund Ruben ein. Der kleine Piranha sprang mir freudig in die Arme und berichtete von seinen Erlebnissen der Woche. Ebenfalls erkundigte er sich nach seinen Geschenken und stellte fest, dass fünf Mitbringsel (ein batteriebetriebener Hund, eine Hundekappe, die bei Drücken einer kleinen Pumpe die Schlappohren hochklappt, eine Drachen-Federtasche, ein Schaumstoff-Schwert und Mount Fuji Magneten) doch ein bisschen knauserig wären. Nunja.

Um halb neun lag ich fix und fertig in meinem Bett und war heilfroh, dass ich heute noch Urlaub habe. Es war eine fantastische Reise und ich bin allen Beteiligten unendlich dankbar, dass das möglich war und alles so reibungslos geklappt hat. Der kleine Piranha fragte sofort, wann wir Sabrina besuchen können. Von Mama-Entzugserscheinungen keine Spur.

Ihr seht, wenn mir diese Reise eines mal wieder gezeigt hat, ist es, dass ich zwar alleinerziehend, aber alles andere als alleine bin ❤

Liebste Grüße und Sayonara von Eurer

Single City Mama

Der Mama-Laden (und Herren zum Nahekommen)

Hallo meine Lieben,

so richtig Ruhe kehrt bei uns zurzeit nicht ein. Der kleine Piranha durchläuft gerade eine (vermutlich altersbedingte) Trotzphase und testet seine und meine Grenzen täglich sehr intensiv. Die Konsequenz, wenn es nicht nach seiner Stupsnase geht, ist meistens, dass er mich im Mama-Laden verkaufen oder zu Tante Hu ziehen möchte. Auch eine andere „nette fremde Dame“ möchte er ggf. ansprechen, ob sie seine Mama sein mag.

Am Wochenende ernteten der kleine Piranha und ich im strömenden Regen frische Äpfel im Alten Land. (Bilder: Single City Mama)

Dazu werden regelmäßig Drohgebärden aufgefahren. „Wenn Du mir dies und das nicht kaufst, dann schreie ich jetzt ganz laut/laufe weg/schmeiße dies und das runter“, was zu amüsierten Passanten und einer sehr gereizten Mama führt.

Wirklich Sorgen um unsere Bindung mache ich mir allerdings nicht, da die Verkaufspläne immer wieder mit Liebesschwüren geschmückt sind – so fragt er immer, welcher Planet am weitesten von der Erde entfernt ist, und erklärt dann, dass er mich bis dorthin lieb hat. Balsam für die geschundene Mama-Seele!

Am Wochenende kündigte er wiederholt seinen Auszug an, elaborierte dann aber, dass er zurückkehren würde, sobald er ein Geschwisterchen hätte. Ich erklärte, dass das bestimmt irgendwann der Fall ist, aber zurzeit nicht geplant. „Dann kannst Du doch einfach mal endlich einem Herrn ganz nahe kommen, und noch ein Baby machen,“ erinnerte sich der Piranha an meine Blitzaufklärung vor einigen Monaten, in der ich auf weitere Details ebenso verzichtete wie Geschichten von Konrad dem Klapperstorch.

Oh mann! Überhaupt fragt mich der Piranha liebend gern Löcher in den Bauch. Ein Klassiker ist abends ganz kurz vor dem Einschlafen. „Mama, wo sprechen die Leute Chinesisch?“ „Was würde passieren, wenn ein Böser bei uns einbricht und alle meine Tiere klaut?“ „Wie tief muss man graben, bis man beim Erdkern ankommt“? oder „Wann machen wir eine Weltreise“? sind Fragen, die ihn stark beschäftigen.

Apropos Reise: Nächste Woche steht mein erster längerer Urlaub ohne meinen Piranha an. Tante Hu und ich machen gemeinsam etwas über eine Woche lang Japan unsicher (wobei das ob des gerade abgezogenen Taifuns eine sehr unpassende Wortwahl ist, wie mir gerade auffällt!)

Bright Lights of Tokio, Ninja-Restaurant, eine Geisha-Tour in Kyoto und ein Ryokan mit privatem Onsen am Fuji-Berg – ich bin ganz, ganz doll aufgeregt. Auch mein neuer Pass, auf dem ich ein bisschen aussehe wie ein bekiffter Steppen-Iltis, ist endlich da!

Da ist er – der Iltis. Damit Ihr alle mal herzhaft lachen könnt!

Wenig Lust hab ich auf den langen Flug (11 Stunden +), aber da ich es dieser Tage so selten ins Kino schaffe, kann ich bestimmt einige cineastische Bildungslücken schließen 😀 Außerdem werde ich das Tablet noch mit Law & Order New York bespielen.

Der kleine Piranha hat für die Woche meiner Abwesenheit schon einen prall gefüllten Terminkalender. Neben Baba-Opa und Eddie hütet eine liebe Freundin aus München eine Woche bei uns ein und es stehen Kindergeburtstage, Turnen, Malen, sein nächster Schwimmkurs (leider muss das Seepferdchen noch ein wenig auf den Piranha warten), das Planetarium und das sehr beliebte Halloween an.

Ich werde berichten und wünsche Euch was, Ihr Lieben.

Eure Single City Mama

Das leere Haus und der Schmetterlings-Friedhof

Lieblingsmamas,

es ist vollbracht.

Nach einem großen Kraftaufwand ist unser übergeräumiges Elternhaus entrümpelt und bald, nach der obligatorischen Renovierung, ist es bereit für den Einzug der neuen Mieter – einer jungen Familie mit drei kleinen „Piranhas“. Die letzten Tage hatten es nochmal richtig in sich. Es galt, unsere Zimmer auszusortieren und dabei relativ emotionslos zu entscheiden, was mit muss bzw. darf. Struktur reinbringen. Meine ganz große Stärke. Nicht!

Das leere Haus. (Bilder: Single City Mama privat)

In meinem Jugendzimmer türmte sich Teenie-Kram – von angebrochenen Oilily und Chippie-„Düften“, über Liebesbriefe bis hin zu einem Riesen-Foto von W., meiner ersten ganz, ganz großen und ebenso einseitigen Liebe. Obwohl – auch den Skilehrer H. habe ich sehr geliebt in seinem feuerroten Skianzug. Damals, mit 12. Nunja. Und meine Klassenkameraden C. und R., die aber alle Mädels ziemlich gut fanden.

Nagut. W., also der vierte Mann in meinem Leben, trat durch einen Sportverein in mein Herz (er war der Trainer, damals 22, und zum Glück, ebenso wie H. (damals 31) nicht so pervers, meine brennenden Gefühle zu erwidern!). Meine Hormone tanzten Samba.

Sidenote: Warum kann man eigentlich mit 14 wildfremde Männer sooo sehr und leidenschaftlich „lieben“ und 20 Jahre später gleicht der Bauch einem Schmetterlings-Friedhof, man ist vorsichtig und überängstlich bezüglich jedweger Gefühlsregung/Risikos? Nennen wir es „bindungs-skeptisch“.

Aber zurück zu W… Da in der Clique jeder von meiner Liebe wusste (und mich damit aufzog) gab es zum 14. Geburtstag ein großes Foto von W., selbstbewusst grinsend, im Ballraum, das meine Freundin Philine (Patentante des kleinen Piranhas) geschossen hatte. Natürlich mit der Ankündigung, dass es ein Geburtstagsgeschenk für mich sei.

Leider ist W’s Konterfei (mittlerweile wohnt er mit seiner Familie nur wenige Straßen entfernt und übt auf mich in etwa die Anziehung eines abgestandenen Hustensaftes aus) letzte Woche der Vor-Entrümpelung unserer Handwerker zum Opfer gefallen. After all this time. Shocker!

Viele der alten (also tatsächlich alt und nicht nur abgerockten) Möbel und Kleiderschränke hatte ich noch über eBay Kleinanzeigen verschenkt – und das allermeiste wurde zum Glück auch abgeholt. Unter den Abnehmern waren einige sehr nette Leute, die sich aufrichtig freuten – ein schönes Gefühl, nicht alle Habseligkeiten in die Tonne kloppen zu müssen.

Vorgestern Abend ging ich das Schlafzimmer meiner Mutter durch. Was eigentlich emotionaler sein sollte und ich lange vor mir her geschoben hatte, erledigte ich relativ routiniert und abgestumpft: Ich verstaute die meiste Kleidung in Beuteln für eine wohltätige Organisation und sortierte Taschen und Schmuck. Das allermeiste wird gespendet, was absolut im Sinne meiner Mutter wäre. Ich beschloss, ihr dafür einen riesengroßen Blumenstrauss zu bringen. Der kleine Piranha ergatterte noch ein bisschen Kram und Plüschtiere und nach etwa fünf Stunden waren wir fertig.

Kurz zögerte ich bei lang gehüteten Erinnerungen wie etwa unserer Milchzähne und Wunschzettel – aber ganz ehrlich? Wo soll das alles hin? Ich dachte an Aufräum-Queen Marie Condo, die gute Seele. Sparkte mein Milchzahn „Joy“? Nope. Negativ. Weg damit.

Das Fazit der Mammut-Entrümpelung: Ich werde mich nie wieder wundern, wenn mein Konto im Dispo ist. Und man muss viel öfter ausmisten. Materiell. Emotional. Ich glaube, ich muss mir die Tage noch mal Marie Condo bei einer Flasche Vino zu Gemüte führen.

Ich bin sehr froh, dass jetzt wieder ein bisschen Ruhe einkehrt. Die letzten Tage war ich so angespannt, dass auch der kleine Piranha Wind davon bekam – und selbst bockte und trotzte. Er rollte Klopapier-Rollen ab und beschimpfte mich unter anderem charmant als „drei Tonnen Müll“. Das Ganze gipfelte darin, dass er zusammen mit seinem Freund Talis auf dem Spielplatz Tauben mit Stöcken piesakte und Eddie, unseren Beagle, heilos mit seinem Trockenfutter überfütterte. Ted Bundy in the making?

Ich schimpfte laut, wütend und ziemlich verzweifelt mit den Jungs – warum sie Tiere quälen würden, und dass es überhaupt nicht lustig sei und der Piranha gleich ins Bett müsse und sämtliche Fernseh-Freuden bis auf Weiteres gestrichen würden. Abends schlief der Piranha in meinem Arm ein.

Die nächsten zwei Wochen werden wir es alles etwas entspannter angehen. Der kleine Piranha wird am Samstag zur Seepferdchen-Prüfung antreten, aber es sieht leider so aus, als müsse er noch einen Kurs dranhängen. Nicht schlimm – das Ergebnis soll ja auch halten, nämlich dass der Piranha sich sicher und ohne Angst (letztere ist für ihn ohnehin ein Fremdwort) im Wasser bewegt.

Letzten Samstag, als die ersten Kurskinder in der vorletzten Stunde bereits ihr Abzeichen erhielten und nur der Piranha und sein Freund Louis noch nicht dran waren, weinte er schon bitterlich. Ich überlegte, ihm die vermeintliche „Niederlage“ zu ersparen und die nächste Stunde einfach ausfallen zu lassen, aber Louis‘ Mama argumentierte, dass ja auch das – sollte es so sein – zum größer werden dazu gehört.

So sei es. Ich halte Euch auf dem Laufenden und wünsche Euch was, Ihr Lieben. Genießt den schmuddeligen Herbst!

Eure Single City Mama

Das Coming-of-Age der Schildkröte Fips

Lieblingsmamas,

Bücher sind etwas so Schönes! Fanden auch meine Eltern und haben endlos viele davon angeschafft. In unserem Elternhaus türmen sich hunderte von Hard- und Softcovern… und GEO Zeitschriften… und Merians (…)  noch und nöcher, und meine Schwester (Tante Hu) und ich versuchen dem gerade im Zuge der Haushaltsauflösung irgendwie Herr zu werden – ohne alles einfach in die Tonne zu kloppen.

Denn das wäre so schade – und ich lese eigentlich selbst total gern. Auch ein Grund für den Literatur-Schwerpunkt meines Studiums. Spätestens seit der kleine Piranha zugegen ist, lese ich zwar viel weniger als früher und bemühe zum Entspannen lieber die Streamingdienste dieser Welt – aber wenn ich es tue und der Roman gut ist, freue ich mich jedesmal.

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„You should go and love yourself“ – finden nicht nur Justin Bieber, sondern auch das bezaubernde Schildkröten-Mädchen Fips… (Bilder: Single City Mama, Fotografien des Buches von Simone Gruber/Illustrationen von Jacqueline Kauer)

Auch der kleine Piranha verfügt schon über eine stattliche Sammlung, zum Teil gespickt mit Klassikern aus unserer Kindheit wie „Die Mäuse im Schuh“, „Der Maulwurf Grabowski“ oder „Nimm mich mit, Frau Vogelnase“. Kennt die noch jemand? Ersteres hatte ich selber noch erinnert und vor zwei Jahren mal überteuert in einem Online-Shop erworben und letztere tauchten erst kürzlich beim Ausmisten des Dachbodens unserer Eltern wieder auf. Hach. Der Dachboden… anderes Thema!

Ab und zu bekomme ich Anfragen von Autoren oder Verlagen, ob ich Lust habe, auf dem Blog etwas vorzustellen. Nicht immer passt es, aber gerade bei Kinderbüchern bin ich selbst oft neugierig.

Erst kürzlich war ich mit der lieben Journalistin Simone Gruber wegen eines anderen Themas in Kontakt, als sie mich auf ihr neues Buch „Fips will keine Schildkröte mehr sein“ aufmerksam machte.

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Das Buch misst ca. 25 x 25 cm und lässt sich auch prima verschenken…

Nach dem Urlaub trudelte ein bezauberndes Exemplar (mit Bastelbogen!) bei uns ein, und es ist wirklich ganz, ganz niedlich – oder wie ich gerne sage „puschig“. Jeder, der mich persönlich kennt, weiß, dass ich dieses Wort sehr häufig benutze.

Der Plot: Das kleine Schildkröten-Mädchen Fips ist so ganz und gar nicht zufrieden mit ihrem Schildkröten-Dasein und tauscht mit vielen Tieren körperliche Merkmale (dabei kommen so zauberhafte Wortschöpfungen wie Flügelkröte und Fellpapagei bei raus) bis sie am Ende – Spoiler-Alert – feststellt, dass es eigentlich ziemlich cool (und nützlich!) ist, eine zu sein.

In Zeiten des Insta-Life-Turbofilter-Selbstoptimierungswahnsinns ist das in meinen Augen eine ganz wichtige Botschaft, die man seinem Kind guten Gewissens mit ins Leben geben kann.

Der kleine Piranha mag die Geschichte von Fips sehr und lässt es sich momentan jeden Abend vorlesen. Unser Prädikat lautet also (Ihr könnt es Euch denken!): Absolut lesenswert!

Liebste Grüße von den Piranhas

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