Von rappenden Zebras und Hauptstadt-Tanten

Lieblingsleser,

nach mehreren Wochen des Schweigens hat mir WordPress gerade den virtuellen Stinkefinger gezeigt – ich musste mich neu einloggen.

Wochen zogen seit meinem letzten Post ins Land. Es ist viel passiert (japp, ich denke auch gerade an den Marienhof-Jingle)

Der kleine Piranha ist ein mehr oder weniger zufriedenes Schulkind. Unter den Aktiva verbuchen wir die Pausen, die Garten AG und den Rap von Zebra Franz (kein Witz – der hat pädagogischen Anspruch, weil das musikalische Huftier die Anlauttabelle rappt). Auch seine Klasse mag er gern.

Weniger spaßig findet der kleine Mann bisher wider Erwarten den Pappmaché-Kurs in der Nachmittagsbetreuung (laaangweilig) und Streits, von denen angeblich einer schon zu einer ausgewachsenen Prügelei avanciert ist.

Positiv: Mich haben noch keine Lehrkörper kontaktiert, das Mitteilungsheft ist leer und irgendwie bekomme ich mein Kind jeden Tag zu früher Stunde aus dem Bett, die Brotdose gefüllt und mich selbst ins Auto (Look: Eine Mascaraschicht über „Rückwärts durch die Hecke“ + Haargummi).

Ansonsten habe ich einfach unheimlich viel um die Ohren. Neben meinem trubeligen Hauptjob habe ich jede Menge Redaktionsprojekte auf dem Tisch, die zwar unsere Reisekasse signifikant aufbessern – aber natürlich auch alle erfüllt werden wollen. Am besten bis vorgestern, was einige Abend- und Nachtschichten zur Folge hat. Der Piranha trabt weiterhin wöchentlich zu seinen Sportkursen (Schwimmen und Karate) und ich tummele mich den Großteil der Zeit im Home Office. Einpaar Brettspiele fungieren dabei als „Tower of Power“, auf dem mein Laptop thront – es sieht unglaublich professionell aus… nicht.

Dann gibt es News im Hause Piranha: Meine Schwester, beste Freundin und Quasi-Mitbewohnerin Tante Hu zieht im Dezember nach Berlin. Sie hat dort einen richtig coolen Job angenommen und ich freue mich selbstverständlich mit ihr (auch weil das bahntechnisch perfekt angebundene Berlin die ideale Destination für einen regelmäßigen Out-of-Town-Sister Trip ist), aber merkwürdig ist es dennoch, unsere allabendlichen Rituale (Netflix, chillen, zusammen essen, lästern und schlapplachen) einzuschränken.

Um Vereinsamung entgegen zu wirken UND weil es mir eine Coachin empfohlen hat, werde ich mich in Kürze wieder an neuen Hobbies versuchen: Gebucht hab ich erstmal einen Nähkurs für Beginner und einen Flamenco-Kurs an der VHS. Way!

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten, meine Lieben.

Genießt die letzten Sommertage – ich persönlich freu mich ja schon sehr auf meine Lieblingsjahreszeit ❤

Eure Single City Mama

Familienhotels für Singles: Fluch oder Segen?

Lieblingsleser,

während ich Euch schreibe und das Gefühl habe, nach Vino und Vier-Gang-Menü (obgleich wirklich überschaubar) jede Minute zu platzen, sitzen wir im schönen Salzburger Land und genießen die letzten Tage unseres Urlaubs. Viel Essen, noch mehr Erlebnisse (für den kleinen Piranha) und auch ein bisschen Einsamkeit.

Bilder: Single City Mama

Eigentlich hatten der kleine Piranha und ich die Hoffnung auf eine Reise vor dem Schulstart im August schon fast aufgegeben, uns aber dann doch für einpaar Tage an der Nordsee und einen Roadtrip mit unserem alten Herren „Lothar“ (mein betagtes Autochen mit Nahtoderfahrung) entschieden.

Nach drei wirklich entspannten Tagen am Meer in St. Peter-Ording und einer semientspannten Tour quer durch Deutschland (wir trafen unterwegs den Vater des Piranhas zum Eisessen in Frankfurt, besuchten das Schloss im wunderschönen Heidelberg und machten zwei Tage lang meine alte Wahlheimat München unsicher) landeten wir in Altenmarkt im Pongau.

Aber ganz ehrlich: Es ist wie so oft. Gerade, wenn Du langsam beginnst, etwas abzuschalten, ist der Urlaub schon wieder vorbei. Am Sonntag düsen wir über Bayreuth mit zwei weiteren Stopps bei Freunden wieder gen Heimat. Dann bricht auch die letzte Kita-Woche des kleinen Mannes an. Und mich erwartet das Hamsterrädle, juchu.

Das Hotel, indem wir gerade wohnen, ist ein Kinderhotel, was bedeutet, dass ich den kleinen Piranha de facto kaum zu Gesicht bekomme. Nachdem er sich morgens das Frühstück reingeschaufelt hat, düst er ab und lässt sich nur mittags kurz blicken. Er hatte sich direkt am ersten Tag mit Jan, einem achtjährigen aus dem Taunus verbrüdert, und verbringt jede freie Minute mit ihm. Als ich nachmittags kurz im Kinderclub vorbeischaute, funkelte mich ein geschminkter Fuchs vorwurfsvoll an: Nein, Mann, ich will noch nicht gehen.
Selbst, als ich um 17.58 zur Abholung schritt, forderte das Kind mich auf, noch zwei Minuten vor der Tür zu warten.

Und ich? Ich verbringe viel Zeit mit mir selbst, klebe dabei viel öfter am Handy, als ich es eigentlich sollte, und erwische mich immer wieder dabei, mich inmitten der vielen Muddi, Vaddi, Kind(er) Familien ein bisschen wie ein Sonderling zu fühlen. Das ist total bekloppt, weil ich wirklich nicht schüchtern bin und schon mit einigen sehr nett gequatscht hab, aber trotzdem – es fühlt sich schräg an.

Ich bin früher schon, lange bevor es den Piranha gab, immer gerne alleine gereist und bin immer gut mit mir ausgekommen, aber heute ist – ich muss es ganz ehrlich zugeben – ein bisschen ungewohnte Einsamkeit doch dabei. Ich glaub, das liegt aber vor allem am Set-up der Kinderhotels. Deren größten Vorteil man aber gerade als Single nicht leugnen kann: Ich habe ehrlich viel Zeit für mich.

Manchmal nehme ich mir inmitten dieses Family-Potpourris vor, *jetzt wirklich mal* aktiv zu daten, um mein Singletum mittelfristig zu beenden, aber so richtig Muße habe ich dann doch nicht…

Einpaar Dates mit Männern, mit denen ich mir entweder kaum etwas zu sagen hatte, oder die selbst mindestens genauso bindungsschräg wie ich waren, haben meine Grundskepsis dem Thema gegenüber in den letzten Jahren noch eher verstärkt.

Ach… es ist, wie es ist… sonst müsste ich schließlich auch meinen Blog umbenennen ;-).

Mein Froschprinz wird vermutlich kommen, wenn ich dafür bereit bin. (Bild: Pixabay)

Immerhin habe ich ein dickes 600+ Seiten Buch dabei und es gibt einen großartigen Badeteich, den ich ab etwa 19.00 komplett für mich habe. Und nachdem der kleine Piranha und ich gestern schon eine Sommer-Rodelbahn für uns entdeckt hatten, wollen wir morgen zum Goldwaschen. Jawoll.

Natürlich werde ich Euch berichten, wenn wir mit Koffern voll Gold die Heimreise antreten und sende Euch bis dahin allerliebste Urlaubsgrüße,

Eure Single City Mama

Highlife & Homeoffice

Lieblingsleser,

während wir uns so durch den Alltag wurschteln, bin ich beim Thema Homeoffice immer noch gespalten. Für viele Kunden, die entsprechende Lösungen anbieten, beschäftige ich mich gerade beruflich mit der Materie (ist das sicher? Was können die Netze? – und der ganze Spaß), aber als Mama ist der psychologische Part nicht zu vernachlässigen.Wie seht Ihr das?

Pro: Ich sitze zum Teil ungeschminkt und fern der Heimat an meinem Esstisch, frühstücke nebenbei und kann zwischendurch Amazon-Boten die Tür öffnen. Mein ohnehin sehr kurzer Arbeitsweg entfällt und ich bin sehr flexibel (Rechner ist den ganzen Tag an und Anfragen werden dadurch fast sofort beantwortet). Ausserdem habe ich unter der Woche fast alleinige Herrschaft über die Waschmaschine. In Calls bin ich ungestört und räume bei Videokonferenzen nur schnell die Kommode hinter mir auf (aufräumen bedeutet in diesem Fall, ich relokalisiere den Haufen Klamotten. Lego-Gebilde und Kuscheltiere an den Rand unseres Big Sofas, der nicht im Bild ist, muaah!) und schaue, dass die Perspektive meiner Kamera nicht allzu unschmeichelhaft ist.

Contra: Die Grenzen verschwimmen. Ich bin gefühlt den ganzen Tag auf Abruf. Neulich hatte ich verpasste Anrufe (Weiterleitung meiner Büronummer) mitten in der Nacht. Ich weiß nicht, ob das Zeitunterschieds-unkundige US-Partner oder Telefonstreiche waren, aber der Gedanke war sehr gruselig. Auch Abends, wenn ich im Auto bin oder den Piranha von Aktivitäten abhole, klingelt das Telefon. „Könntest Du mal schnell…?“ „Die bräuchten ganz dringend…“. Das Los der Teilzeit. Oder das Los des Homeoffices? Ich bin noch unschlüssig und freue mich über Eure Erfahrungen.

Ansonsten geht es uns gut. Der kleine Piranha fiebert seiner Einschulung entgegen. Prognosen zufolge soll ja nach den Sommerferien zumindest in Hamburgs Schulen wieder Normalität einkehren. Die 1a freut sich auf den kleinen Raubfisch. Ich blicke gespannt (und sentimental) dem neuen Lebensabschnitt entgegen.

Denn der Abschied aus der Kita bedeutet auch der Abschied von einem großen Teil unseres bisherigen gemeinsamen Weges. Seit über 2 Jahren pendeln wir jeden Tag 20 min (für die Großstadt ein Witz – im Stoßverkehr ein Frustfaktor) nach Altona. Ich bin nach wie vor sehr froh über den Wechsel, auch (und gerade weil) der Abschied aus der alten Kita sehr unschön mit einer mündlichen Verhandlung vor dem Hamburger Amtsgericht geendet ist (ich wurde verklagt und habe obsiegt!).

Auch damals war es eine große Veränderung, viele Kontakte sind mit der Distanz eingeschlafen, einpaar haben mir glaube ich den Weggang auch etwas verübelt, obwohl es für uns keine Alternative gab. Die Freunde waren toll, aber die Kita war in meinen Augen als Einrichtung nicht tragbar.

Dieser Abschied wird ein viel weicherer, aber bestimmt auch ein sentimentaler. Bald wird unser Alltag komplett auf links gedreht: Früh aufstehen, neue Arbeitszeiten, teilgebundener Ganztag, Ferienbespaßung – mein Piranha, der bis dato in der Robben-Gruppe Steine sammelte und Papierflieger bemalte – wird plötzlich beschult.

Er ist super aufgeschlossen und steht gerne im Mittelpunkt – auch hier werden die Karten neu gemischt. Wie werden die Lehrer sein? Die Mit-Eltern? Findet der Piranha sich gut zurecht? Schon jetzt leide ich mit, wenn mein Kind „einen Kampf macht“ oder nicht in die Kita will, weil ein „Freind“ ihn pisakt (Version Piranha). Klar gehört das dazu und ich bin ja keine Helikopter/Rasenmäher-Mama bzw. werde das aufgrund meines Naturells allein niemals werden, aber dennoch… Man fühlt ja mit.

Als ein „Freind“ Anfang des Jahres den Piranha als einzigen aus der Gang nicht zum groß gefeierten Geburtstag einlud und ihn wochenlang aufzog, schwor ich mir, diese Rechnung im Sommer zu begleichen. Done deal. Allerdings mit einiger Diskussion: Das Kind ist wesentlich vergebender als ich. Vielleicht kommt das aus dem anderen Genpool. Ich halte es lieber mit: Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me.

Ansonsten nutzen wir das Wetter und die wiedergewonnene Bewegungsfreiheit gerade oft für Ausflüge. Am Wochenende waren wir im Barfußpark in der Lüneburger Heide (sehr schön, obwohl ich begeisterter als das Kind war!) und Sonntag ging es zum Erdbeeren-Pflücken nach Barsbüttel (ich hatte danach 2 Tage lang Muskelkater im Hintern und fühle mich seit dem ein wenig betagter)

Ich wünsche Euch was, Ihr Lieben. Ob Homeoffice, Homeschooling oder der ganz normale Muttitasking-Wahnsinn – macht das Beste draus.

Eure Single City Mama

New Normal für Anfänger

Lieblingsmamas,

ich hoffe, es geht Euch allen gut! Der kleine Piranha und ich waren die letzten Wochen wieder etwas abgetaucht. Corona-lethargisches Muttitasking – die Tage sind mir irgendwie wie Treibsand durch die Finger geflossen. Eigentlich geht es uns wirklich gut, aber auf der Skala der Luxusproblemchen sehne ich mich so sehr nach Normalität – und freue mich, wenn ich die Gesichtsschlüppis in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft als Putzlappen gebrauchen kann.

Der kleine Piranha hat vor 4 Wochen die Kita zurückerobert. Als Single Mama nutzte ich die letzte Woche der exklusiven Notbetreuung, bevor die Hamburger Kitas für die Sandkasten-Rentner aka die 5-6-jährigen teilgeöffnet wurde. Seitdem ist er sichtlich ausgelasteter und ich definitiv auch.

Die Kurzarbeit in der Redaktion wurde zum Glück schnell wieder verabschiedet, weil wir unheimlich viel zu tun hatten. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Bespaßung des Kindes, der sich mit Checker Julian und Checker Tobi über Wasser hielt und viele naturwissenschaftliche Zusammenhänge mittlerweile besser erfasst, als ich es in einer Bioklausur jemals hätte erspicken können. Zum Einschlafen hört er momentan das Hörbuch von Bill Bryson’s „Die Entstehung der Erde“. Danke dafür, Tante Hu!

Vergangenen Montag feierte der kleine Piranha seinen 6. Geburtstag. Zwar mussten wir die Piratensause (ich hatte den Kindergeburtstag erstmal outgesourct und eine Floßbau-Soirée gebucht) leider verschieben, aber zwei enge Freunde und ein Elternpaar konnten uns beim Picknick im Park Gesellschaft leisten. Der Piranha hatte einen Kinder-Metalldetektor geschenkt bekommen und damit schnell eine stattliche Entourage um sich versammelt. Es erinnerte sehr an den „Rattenfänger von Hameln“.

Abends fiel er glücklich ins Bett. Einen Tag später verließ „uns“ der dritte Schneidezahn und ich fühle mich seither ein wenig betagter.

Allerdings nicht so betagt, dass ich auf das allabendliche „Guilty Pleasure“, das Tante Hu und ich für uns entdeckt haben, verzichten könnte: Pretty Little Liars, eine absolut grandiose Netflix-Serie (Typ Mystery Crime mit einer Highschool Clique und ganz viel „Forbidden Love“) im Fokus. Ganz nach meinem Geschmack. Wir sind definitiv süchtig.

Gestern waren der kleine Piranha und ich das erste mal seit dem Corona-Outbreak im Schwimmbad. Im benachbarten Schleswig-Holstein hatte das Arriba Erlebnisbad wieder eröffnet. Es war ein einsames, kurzes Vergnügen, aber, aber… immerhin. Normalität… zum Tauchen nahe!

Auch einen One Night Trip nach St. Peter-Ording konnten wir bereits verleben. Ganz viel Sand und es schmeckte tatsächlich nach Sommer. Hach. Mal schauen, was der noch so bringt.

Ich wünsch Euch was, Ihr Lieben. Ich hoffe, es geht Euch gut.

Sehnsuchtsvolle Grüße von Eurer

Single City Mama

Crazy times, lazy days!

Lieblingsleser,

wir sind wieder da! Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen für die lange Funkstille, für die es gar keinen logischen Grund gibt. Der ganzen Familie geht es den Umständen entsprechend gut – bis auf den obligatorischen Lagerkoller und die Ausbrems-Lethargie, die in den letzten Wochen nur von wenig aktiven Taten wie etwas dem Ölen unseres Balkons oder meinem wenig-professionellen Lackieren unserer Küchenschränke, durchbrochen wurde.

Der kleine Piranha ist seit Wochen zuhause und meiner weitestgehenden Exklusiv-Bespaßung definitiv überdrüssig. Ich kurz-arbeite mich mit 12,5 Wochenstunden durch das Homeoffice, habe aber zum Glück noch meine Mini-Selbstständigkeit als Texterin und Übersetzerin, die Gehaltseinbuße gut kompensiert. Vor allem aufgrund des Gartens geht es uns wirklich gut und wir können nicht klagen, auch wenn uns die Decke auf den Kopf fällt.

Auch Baba-Opa ist trotz seines fortgeschrittenen Alters (in einpaar Wochen wird er 74) und Vorerkrankungen zum Glück putzmunter und auch nicht übermäßig besorgt. Da wir so nah beieinander wohnen, hatte eine räumliche Trennung unserer „Schicksalsgemeinschaft“ (O-Ton Tante Hu) gar keinen Sinn gemacht und wurde von Baba-Opa vehement verweigert.

Wenn ich nicht arbeite und mir vor der Videokonferenz noch schnell den Alibi-Mascara auf die Augen pinsel, spielen das Kind und ich Brettspiele, basteln und ausflügeln, soweit es Kreativität und Energie zulassen. Der Piranha guckt viel Woozle Goozle, Checker Tobi und andere „Lernformate“, die er total großartig findet und macht Karate via Zoom. Ich bin total begeistert, was so viele Anbieter während der Krise binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben. Nachher filme ich das stolze Kind für seine allererste Gürtelprüfung. Auch Alba Berlin ist toll – aber leider fehlt dem Piranha nach anfänglicher Euphorie oft die Muße für die Work-outs.

Apropos Muße – Ich hatte mir selbst ganz fest vorgenommen, einen Online-Sportkurs zu absolvieren, habe aber meine Vorsätze – passenderweise zusammen mit „Pretty Little Liars“- im abendlichen Vino ertränkt. Und mir von dem Erlös eines Extra-Jobs einen Crosstrainer für mein Schlafzimmer gekauft, der aber noch nicht eingezogen ist. Bam!

Ich vermisse unseren Alltag sehr. Weniger den täglichen Stress und die Job-Kita-Hobby-Logistik – und auch die ein wenig – aber meine Freunde, die Kaffeeklatsche, Spielplatzdates, Bummeln, Kurztrips, Essen gehen… Oft merkt man erst, wie sehr man etwas schätzt, wenn es weg ist. Wie sagt man so schön? „Absence makes the heart grow fonder“.

In 4 Wochen heiratet meine liebe Freundin und Piranha-Patentante Phili in Thüringen und der kleine Piranha und ich sind als Trauzeugin und Trauzeugen-Kind geladen. Mit dem Brautpaar hoffen wir sooo sehr, dass die familiäre Schloss-Hochzeit stattfinden kann.

Obwohl es uns gut geht, freue mich sehr auf Normalität. Der kleine Piranha fragt mittlerweile auch immer öfter, wann er wieder in die Kita kann – eine Frage, die vor einigen Monaten undenkbar gewesen wäre. Er mag zwar seine Kita, aber genießt als Prinz Piranha auch lümmelige Tage auf unserem Big Sofa sehr. Jetzt hat er offensichtlich genug gelümmelt und sehnt sich nach seinen Kumpels, mit denen er spielt, „Kämpfe macht“ und die Spielplätze auf links dreht.

Immerhin: Ich habe es die letzten Wochen endlich geschafft, einpaar Bücher zu lesen (aktuell gerade Shanghai Baby von Wei Hui), unser Bankirai-Holz zu schrubben und zu ölen, den kleinen Piranha bei Club Creo (einem Bastel-Abo) anzumelden und kreativ zu etwa 30 Prozent auszulasten, mit abwechslungsreichen Speisen – rotierend Fischstäbchen, Pfannkuchen und Dino-Nuggets mit Erbsten-Möhrchen-Kombos, Nudeln mit Tomatensauce, Milchreis mit Früchten und Tortellini – zu verköstigen. An mir ist definitiv kein Jamie Oliver vorbeigegangen, aber ich gebe mir Mühe, einen Hauch von Struktur zu wahren. Fake it till you make it.

Einmal haben wir Salzteig hergestellt, etwa 15 Ausflüge unternommen, Brettspiele gespielt und viel gechillt. Komisch – so normal Videotelefonie-Tools wie Webex, Teams, Skype und Zoom im Job werden, so ungern mache ich das privat. Wer von meinen Real-Life-Freunden mitliest: Bitte nehmt es nicht persönlich. Ich kann das nicht gut und habe eine natürliche Aversion gegen Videocalls. Nicht mal Facetime.

Wir haben einen Brief von der Grundschule bekommen, dass der Piranha voraussichtlich am 11. August eingeschult wird und sind entsprechend aufgeregt. Auch der 6. Geburtstag des kleinen Mannes am Pfingstmontag ist geplant – noch steht die betreute Piraten-Sause inklusive Floßbau auf einem Hamburger Spielplatz. Ich hoffe, es bleibt so – auch, weil ich so froh war, in diesem Jahr mal den Vorbereitungsstress und Animation outzusourcen.

In einem Anflug von „Wenn nicht jetzt, wann dann“ habe ich mich kürzlich auch meiner Angst vor der Angst gestellt und nach rund 3,5 Jahren meine medikamentösen Gefühlsschalldämpfer abgesetzt. Eine ganz neue Welt, Ihr Lieben. Emotionen leuchten wieder in viel bunteren Farben – und, ganz wichtig, ich habe keine Panik. Ich hoffe, das bleibt so. So schön es manchmal ist, gefühlstechnisch etwas abzustumpfen, so schön ist es auch, Freud und Leid intensiver zu empfinden. Sage ich jetzt. Ihr dürft mich zitieren.

Ich hoffe, es geht Euch allen gut, meine Lieben. Dass Ihr gesund und munter seid und die vergangenen Wochen so gut wie irgendmöglich gerockt habt. Seid nachsichtig mit Euch selbst, auch wenn Ihr keine 8 Kilo Salzteig gebacken und die Kids zum Einstein gehomeschooled habt – das InstaGras ist doch immer etwas grüner ;-)-

Liebste Grüße von Eurer Single City Mama

Ab 29 hilft Glitzer!

Lieblingsleser,

kommt es nur mir so vor, oder fliegen die Wochen gerade nur so dahin?

Der Alltagstrott hat uns voll im Griff. Nachdem ich letzte Woche meinen 29. Geburtstag (mittlerweile fällt keiner mehr drauf rein) auf dem Indoor Spieli beging (was übrigens auf viel Zuspruch stieß!) und wir am Samstag noch in ganz muckeliger Runde ein Retro-Raclette spiesen, ist diese Woche ganz unspektakulär Großereignis-befreit ins Land gezogen.

Der kleine Piranha frönte seiner sportlichen Aktivitäten (Ballturnen, Schwimmen, Karate…) und ich suche nach wie vor nach einer Not-OP für unser Auto „Lothar“. Seit der Keilriemen-Reparatur saust er wieder so munter, dass ich mich weigere, zu glauben, Lothar sei wie von der Werkstatt diagnostiziert quasi wertloser Schrott auf vier Rädern… pfffh!

In einer Facebook Nachbarschaftsgruppe habe ich viel Zuspruch erhalten und sehr gute Tipps bekommen. In your face, Werkstatt-Kette mit P! Als nächstes steht also der TÜV-Prüfer für eine objektive Mängelliste an. Wünscht mir Glück!!!

Mit dem Frühling und dem Sommer rücken auch die Einschulung des Piranhas näher. Mit einem zauberschönen Ranzen sind wir ja seit einer Kooperation mit Belmil im letzten Jahr bereits ausgestattet. Gestern Abend holten wir dann noch bei einer ganz lieben Familie in der Nähe einen wunderschönen Schreibtisch für den kleinen Piranha ab. Auch der passende Stuhl ist geordert, so dass der Piranha sich mit seinen Logopädie-Hausaufgaben schon mal mental auf den Ernst des Lebens vorbereiten kann.

Entsprechend bestellte ich für März den Sperrmüll, da einige Möbelstücke für das neue Schulkindzimmer weichen müssen. Ganz zum Missfallen meines Vaters, der eine enge emotionale Bindung zu abgerockten Gegenständen und längst vergessenem Mobiliar aufbaut. Allerdings erst, wenn es weg muss.

„Das gute Sofa!!“, kommentierte Baba-Opa empört das ranzige, be-husste Bettsofa, das er mal vor vielen Jahren einem Bekannten abgekauft hatte und das mittlerweile im Kinderzimmer als Vorlese-Sofa dient. Was Baba-Opa nicht weiß: Auch diverse Möbelstücke aus der Garage habe ich für den Sperrmüll mit angemeldet.

Heute Abend gehen der kleine Piranha und ich nach dem Karate nochmal auf der Eisbahn eskalieren. Und nächstes WE … Trommelwirbel … reisen meine Schwester und ich nach Berlin. Metropolen-Shopping? Mitnichten! Wir nehmen (mal wieder) an der Deutschen Quizmeisterschaft in Moabit teil. Ein Highlight! Und Tante Hus Geburtstagswochenende. Auch sie wird ein weiteres mal 29… Hachja!

Ich wünsch Euch was, meine Lieben.

Eure Single City Mama

Wahl-the-Fuck?

Lieblingsleser,

gestern Abend löste eine Wahl-o-mat-Frage bzgl. der Hamburger Bürgerschaftswahl 2020 familiären Zwist aus.

Am 23. Februar wird die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Da ich politisch weder übermäßig bewandert noch überdurchschnittlich interessiert bin, hatte ich mich bisher noch nicht intensiver mit den einzelnen Wahlprogrammen beschäftigt.

Entsprechend entschied ich mich für den Wahl-o-maten, ein Umfragetool, das meine Meinungen mit denen der Parteien abgleicht. Das Ergebnis war wenig überraschend – und ergab eine inhaltliche Nähe zu Parteien, mit deren Zielen ich mich guten Gewissens identifizieren kann.

Bild: Unsplash

Natürlich beinhaltete die Umfrage auch Eltern-relevante Themen wie eine kostenlose Kitabetreuung, eine einheitliche Beschulung sowie die Frage, ob Schulen das klassische Familienbild „Mutter-Vater-Kind“ verstärkt „propagieren“ sollten. What the fuck???

„Natürlich nicht,“ echauffierte ich mich, als Tante Hu mir diese Frage stellte. Was ist das denn für eine bekloppte, weltfremde These? Tante Hu lachte und witzelte, dass sie meine Antworten eh vorhersehen konnte.

Sie hatte den Wahl-o-maten auch mit Baba-Opa gemacht und der (traditionell konservativ) hatte das fröhlich bejaht. „Du weißt schon, dass wir hier ein anderes Modell leben, oder?“ fragte sie ihn. Mein Vater wirkte ertappt.

Abends kam ich nicht umhin ihn ebenfalls zu konfrontieren. „Du findest also, Schulen sollten Kindern das „Mutter-Vater-Kind“-Modell predigen, ja?“ fragte ich angriffslustig. Mein Vater zuckte die Schultern „Klar, das ist ja das Normale“. Arghhhhhhh!

„Dein Enkel wächst mit zwei Frauen und Dir als engsten Bezugspersonen auf. Geht es ihm schlecht?“ fragte ich zornig mit einem Blick auf das Kind, das gerade vergnügt den Hund beschmuste. „Nein“, murmelte mein Vater und starrte gen Fernseher. Er hatte offensichtlich keine Lust auf eine Diskussion.

Naturgemäß regte ich mich noch eine Weile auf. Bei aller Toleranz ging mir die Tatsache, dass etwas so realitätsfernes auf Zustimmung meines eigenen Vaters stieß, nicht aus dem Kopf.

Jedem Trottel müsste doch eigentlich bewusst sein, dass nicht das Geschlecht der Bezugspersonen, sondern die Tiefe, Innigkeit und Verlässlichkeit von Bindungen für die emotionale Gesundheit eines Kindes wichtig ist. Da muss man doch nicht mal Seelenklemtner für sein. Und was bitte sollte es bringen, wenn Schulen Kindern ein bestimmtes Modell vorpredigen? Außer, dass es Vorurteile stärken würde.

Die von Baba-Opa befürwortete These bedeutete ja im Umkehrschluss, dass es völlig wumpe sei, ob Mutter und Vater sich verstehen, auswärts Ringe um sich reiten, Frustrationen nicht im Griff haben etc pp. solange sie X und Y-Chromosom in einem familiären Konstrukt repräsentieren. Und Schulen (!!) sollten Kindern das „traditionelle Bild“ vermitteln und damit gleichzeitig zu verstehen geben, dass bei Kindern Alleinerziehender und gleichgeschlechtlicher Partner etwas nicht in Ordung sei. What the fucking fuck?

Als der kleine Piranha geboren wurde, war ich allein, aber alles andere als allein. Den Vater des Piranhas und mich hatte eine eher unverbindliche Freundschaft und Liebelei verbunden, die erst nach der Geburt des Piranhas zu einem soliden, freundschaftlichen und respektvollen Verhältnis gewachsen ist. Und genau das richtige Maß an Distanz. In gewisserweise haben wir dabei viel Glück.

Ich habe das alleinige Sorgerecht für den Piranha, muss mir aber auch keine Sorgen um Unterhalt oder Unterstützung, wenn ich sie brauche, machen. Da der Vater des Piranhas etwa 400 Km weit entfernt wohnt, bin ich im Gegenzug sehr flexibel, was Besuche angeht – und aufgrund der Tatsache, dass der Piranha es nicht anders kennt und er uns zwar selten zusammen, aber wenn, dann immer freundschaftlich erlebt, macht es ihm augenscheinlich auch nicht das Geringste aus.

Anstelle eines Vaters, der öfter präsent ist, lebt er mit Tante Hu und Baba-Opa unter einem Dach. Beide lieben den Piranha abgöttisch. Meine Schwester hat während der Geburt meine Hand gehalten und ist die „Begünstigte“ meiner Sorgerechtsverfügung. Sollte mir etwas passieren, nimmt sie den Piranha zu sich. Einen größeren Liebesbeweis gibt es vermutlich nicht. Der Piranha ist zwar nicht biologisch, aber de facto auch „ihr Kind“ und er liebt seine Tante, oft die „strengste“ bzw. konsequenteste von uns allen, von ganzem Herzen.

Mein Vater, der bei der Geburt des Piranhas knapp 70 war, fand die Umstände meiner Schwangerschaft zwar nicht gerade prickelnd und schwieg sich dazu aus, bis ich mich durch die Tür kugelte, aber entwickelte unmittelbar mit der Geburt des Kleinen eine tiefe Bindung, die auch ihn selbst auf Trab hält.

Er schob ihn im Stubenwagen in den Schlaf, humpelte morgens die Treppe runter, um nach dem Abstillen das Fläschchen für den Baby-Piranha zu erwärmen, übernimmt regelmäßig Kita-Logistik und Babysitting-Dienste. Auch ist er sein Stammhalter, der den Familiennamen weiter trägt. Der kleine Piranha selbst liebt seine Familie – alle Mitglieder inkl. Hund und seinen Papa, der einfach wo ganz anders wohnt, innig.

Wir kennen viele Alleinerziehende und auch Regenbogen-Familien und bei absolut niemandem würde ich jemals auf die Idee kommen, Defizite zu attestieren, nur weil das Familienmodell nicht traditionell ist. What a bullshit!

Und ganz ehrlich: In eine Schule, die die Kinder entsprechend indoktriniert, würde ich den Piranha niemals einschulen.

Vielleicht bekomme ich ja auch Baba-Opa noch überzeugt. Leben tut er das Anti-Traditions-Modell allemal – und das auch ganz wunderbar.

Eure Single City Mama

Ice, ice Baby!

Lieblingsleser,

what a WE! Das Wochenende begann am Freitag mit einer echten Hiobsbotschaft. Der kleine Piranha und ich waren relativ spontan zum Timmendorfer Strand gefahren. Ich bin zwar eher „Team Nordsee“, aber der kurze Weg und das hiesige „Sealife“ Aquarium hatten mich überzeugt.

Nachdem der Piranha etwa eine Stunde lang am Strand Steine sammelte und ich schon zu selbigem erfroren war, kamen wir wortwörtlich in letzter Sekunde im Sealife an (wer hätte geahnt, dass der letzte Einlass um 16.00 stattfindet? Ich natürlich nicht).

Der kleine Piranha vor seinen tierischen Artgenossen – den Piranhas.

Gerade als wir die erste Station erreicht hatte, klingelte mein Handy. Die Autowerkstatt. Man teilte mir relativ nüchtern mit, dass „Lothar“ ein wirtschaftlicher Totalschaden sei. Eine Reparatur, damit er im nächsten Monat TÜV bekäme, würde ca. 3.500,- Öcken kosten „So gern ich Geld verdiene, datt kriegen se nicht mehr rein“, informierte mich der Werkstatt-Leiter nüchtern.

Dazu muss man sagen, dass „Lothar“ jetzt gut 15 Jahre auf dem Buckel hat. Er war das Auto meiner Mutter, das ich von ihr geerbt hatte. Entsprechend hat er natürlich auch emotionalen Wert. Zudem hatte ich die letzten Jahre bereits Unsummen in Reparaturkosten für Turbo, Lichtmaschine, unzählige Bremsbeläge etc pp. investiert. Gnnnphhh! Ich war sehr frustriert und brauchte sehr dringend Schokolade. Um nicht ganz aus meinem Keto-Werk auszubrechen, tat es auch eine sehr dunkle (weil viel weniger KHs), mit Meersalz gespickte 65g Tafel aus der Drogerie. Junkies get be choosers!

Den Samstag verbrachte der kleine Piranha beim Malen und erschuf ein Katzen-Gemälde, das er mir am Donnerstag zu meinem Geburtstag überreichen will. Er ist sehr stolz auf seine Kunst, auch wenn die Mallehrerin immer wieder betont, dass das Kind die Farben selber aussucht.

Ich ging derweil mit seiner Patentante Phili, eine meiner engsten und längsten Freundinnen, ein Brautkleid aussuchen. Phili würde fündig, fand ein wunderschönes Kleid und ich nahm meine Pflichten als Trauzeugin wahr, indem ich den Junggesellinnen-Abschied organisierte. Details kann ich an dieser Stelle leider noch nicht verraten, da die Braut-in-spe mitliest, aber es wird supercool werden und sehr gut zur temperamentvollen Powerfrau Phili passen.

Nachdem der kleine Piranha sich gestern wieder künstlerisch betätigen wollte, schleppte ich mich zum Sport und vereinbarte gleich mal einen RundUm-Check meiner Vital-Werte und Körper-Zusammensetzung. Der Trainer wirkte sehr nett und nicht so rabiat wie Everest aus dem Schwesterstudio, der die schlanke Tante Hu schon bei The Biggest Loser verortet hatte. Was manche Leute für Vorstellungen haben!

Gestern ließen der kleine Piranha und ich auf der hiesigen Eisbahn im Planten un Blomen das Wochenende ausklingen. Ich hatte völlig vergessen, wie spaßig das ist und auch der Piranha – zum ersten Mal auf Kufen unterwegs – schlug sich wacker. Die meiste Zeit ließ er sich auf einem Lern-Eisbären über das Eis schieben.

Diese Woche hat es in sich. Wir sind bereits jeden Tag verplant. Der Piranha frönt seiner Hobbies, Tante Hu und ich müssen einpaar wichtige Termine wegen unseres Elternhauses wahrnehmen – und am Donnerstag hab ich Geburtstag.

Den Tag werde ich ganz entspannt auf einem nahegelegenen Indoor-Spielplatz verbringen und abends mit Tante Hu und Baba-Opa schick Essen gehen – eine Familientradition.

Dazu werde ich mich an meinem allerersten Keto-Kuchen versuchen (ich bin immer noch dabei und bis auf die Frust-Bitterschoki ganz brav!).

Mal schauen, was die 36 dann so bringt.

Ich wünsch Euch was, Ihr Lieben!

Eure Single City Mama

Das Chaos-Kryptonit

Lieblingsleser,

gestern war wieder so ein Tag für „Hakuna Matata“. Kaum schlugen wir nach einer lautstarken „Ich will nicht in die Kitaaaa. Alle ärgern mich da.“ Odysee vor den Toren selbiger in Altona auf, erreichte uns die Info, dass aufgrund erkrankter Erzieher die Elementar-Gruppen für zwei Tage spontan geschlossen wurden.

Im Geiste ging ich meine To Dos für den Tag durch, während das Kind jubilierte „Feiertaaaag“. Ich „Home Office“-te die nächsten Stunden so gut es ging am Wohnzimmertisch, während der Piranha mir Neuzugänge seiner Steinsammlung präsentierte und versuchte, mir besonders kieselige Exemplare zu Unsummen zu verkaufen. Schließlich entsandte ich ihn mit einem Teller Pfannkuchen zu Baba-Opa und konnte so meinen Fachartikel für einen Netzwerkhersteller zuende schreiben.

Der kleine Piranha (in seiner Autojacke) fachsimpelte mit dem Gelben Engel…

Nachmittags beschloss ich nach 2 Wochen Aufschieberitis (durch Tante Hus Urlaub waren wir mit ihrem Geschoss mobil) endlich den ADAC zu rufen, um unseren defekten Flitzer „Lothar“ wieder mit Saft zu versorgen. Nach einem starken Regenschauer hatte sich die Elektronik nämlich verabschiedet – eine Problematik, die ich Kfz-Profi auf die leere Batterie schob. Der gelbe Engel sah das pessimistischer. „Ihr Keilriemen ist gerissen“ informierte er mich und verwies auf den Schlepper, der „irgendwann binnen der nächsten zwei Stunden“ bei uns aufschlagen sollte. Na prima. Unser Schwimmbad-Besuch mit unseren Freunden Susann und Joni fiel damit buchstäblich ins Wasser.

Da „Lothar“ bei uns vor der Tür weilte, war ich noch relativ entspannt, obwohl ich die Reparaturkosten nach Weihnachten, Autoversicherung und Jahres-Steuer-Vorauszahlung für meine Teil-Selbstständigkeit finanziell in etwa so dringend brauche, wie ein Loch in der Backe.

Der kleine Piranha jubilierte. Die Aussicht, dabei zu sein, wenn unser Auto auf einen Abschlepper geladen würde, war für den kleinen Mann das Highlight des Tages – zumal er anschließend aktiv in das tierisch lange Schleppverfahren miteingebunden wurde.

Ich hatte natürlich nicht bedacht, dass zum Abschleppen ein Seil benötigt würde, das sich irgendwo in den Untiefen meines völlig überfüllten Kofferraums befand, der sich mangels Batterie nicht mehr öffnen ließ – und hing daraufhin etwa eine Viertelstunde lang von der Rückbank aus kopfüber im Kofferraum. Ein Traum! Der gelbe Engel war zum Glück tiefenentspannt und verwies mehrfach darauf, dass wir einer seiner ersten Einsätze seien, da er zuvor jahrelang Busfahrer war.

Findet den Keto-Whopper 😉

Als Lothar verschleppt und wir wieder zuhause waren, brutzelte ich Cheeseburger (lecker Brioche für Kind und Opa und ein flohsamiges Keto-Bun für mich, was einem no-carb–konformen Soulfood in etwa am Nächsten kam), steckte den Piranha ins Bett und gönnte mir ein Schaumbad mit Powerballaden in Tante Hus Badewanne.

Danach machte ich es mir auf dem Sofa bequem, schnappte mir ein Buch und war nach Seite 5 im Tiefschlaf. Dabei träumte ich, dass ich bei einem Date ohne Vorankündigung stehengelassen wurde. Danke dafür, liebes Unterbewusstsein!

Eure Single City Mama

Bock-Rock für Abgrenzunglose

Lieblingsleser,

„Der tanzt Dir auf der Nase rum“ oder „Der hat Dich voll im Griff“ – kennt Ihr das?

Mama-Sein ist manchmal für uns Eltern echt ein mieses Geschäft. Irgendwie kann man es nie richtig machen. Reißt Dir der Geduldsfaden und wütest Du wie eine Furie, hast Du Dein Kind nicht im Griff und bist offensichtlich überfordert. Wütest Du nicht wie eine Furie und steckst das Ganze einigermaßen gut weg, bist Du offensichtlich von Deinem Nachwuchs dominiert und ein Fall für die Supernanny. Ab auf die stille Treppe, meine Liebe!

Engel oder Dämon? Welcher Mama-Typ bist Du? (Bild: Pixabay)

Immer wieder werde ich mit der These konfrontiert, dass ich zu nachgiebig mit dem kleinen Piranha bin. Bei Trotzanfällen folgt oft die Aussage, dass er genau wisse, wie er mich zu spielen habe, und es wiederum meine Schuld sei, dass er bocke. Kommt er abends drei mal aus dem Bett gewackelt, liegt das einzig und allein an mir – bei Babysittern oder Baba-Opa macht er das nämlich nie. Sanftmütig lächelnd entsteige ich dann aus dem Lotussitz, diskutiere die Einschlafproblematik mit dem Piranha aus und chante uns gemeinsam in Morpheus Arme… namaste… NICHT!

Nie werde ich eine U-Bahn-Fahrt in München vergessen, als der Piranha etwa ein Jahr alt war und zornig in seinem Buggy wütete, weil er einen weiteren Fruchtriegel speisen wollte. Als am Goetheplatz die Tür aufging und das Kind sich erbost artikulierte, sah mich eine wildfremde Mitte-Zwanzigjährige auf dem Bahnsteig schockiert an. „Wie das arme Kind schreit! Was sind Sie bloß für eine Mutter?“

Ja, das frage ich mich auch manchmal. Der kleine Piranha und ich sind ein kleines Team. Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander – und haben natürlich unsere eigenen Charaktere. Rein vom Temperament her bin ich relativ gutmütig, meistens entspannt und niemand, der schnell aus der Haut fährt. Wenn ich genervt bin, bekommt der kleine „Tyrania“ das durch einen zackigen Ton und Süßigkeiten- bzw. Fernsehverbot zu spüren. Letzteres allerdings auch häufig konsequent.

Nach einem „Streit“ vertragen wir uns aber auch immer sehr schnell wieder. Natürlich versucht der kleine Piranha mich um den Finger zu wickeln, oft fließen trotz großen Gejaules keine echten Tränen und mich nervt es auch, wenn er sich beim Abendessen total überdreht daneben benimmt oder mich im Imperativ adressiert. „Los! Mach mir Netflix an!“ Gehts noch?

Aber will ich mich selbst immer total stressen, um den Piranha wie eine Maschine parieren zu lassen? Funktioniert das bei irgendjemandem wirklich gut? Wie handhabt man das in der Öffentlichkeit bzw. bei Bekannten, wo man das Kind nicht in sein Zimmer schicken kann?

„Du bist zu nett“ und „Du lässt Dir zuviel gefallen“ sind Sätze, die ich mein ganzes Leben lang gehört habe. Nicht als Kompliment!

Immer war ich mit dieser Tatsachenbehauptung komplett überfordert und fragte mich, was ich verändern müsse, um weniger „nett“ zu sein. Um ernster genommen zu werden oder mein Kind „besser im Griff zu haben“.

Abgrenzen. Grenzen setzen. Die eigenen Bedürfnisse erspüren und sich dafür einsetzen. Psychologen-Tipps für fast allen Lebenslagen. Das kann ich mittlerweile alles eigentlich ganz gut. Ich hab keinen Helferkomplex, bin nicht übermäßig angepasst und kann Schlussstriche selber setzen und mit Ablehnung umgehen. Das will ich natürlich auch dem kleinen Piranha auf seinem Weg ins Leben mit an die Hand geben. Aber wie funktioniert das in der Praxis – gerade wenn es um die Erziehung geht?

Mein eigenes Kind ist ja kein ätzender Nachbar, kein Verflossener oder erzürnter Passant, der sich über Eddies lautstarkes Bell-Organ echauffiert oder meine Mama-Skills in Frage stellt. Bei denen tut es im Zweifel auch Blackbear’s „Hot Girl Bummer“ einmal richtig laut aufgedreht.

„Fu-hu-huck you. And you. And you-huhu…“

Ich bin in fast allen Lebenslagen herzlich und freundlich, aber letzteres ist auch Teil meines Jobs. Und gehört neben diversen Macken (allen voran Chaos) eigentlich zu meinen positiven Charaktereigenschaften. Meistens ist es nicht mal geheuchelt ;-). Mit 90 Prozent der Menschen, die ich treffe, komme ich oberflächlich gut klar, auch wenn ich nur einen Bruchteil wirklich an mich heranlasse.

„Kill’em with Kindness“ ist meistens auch in schwierigen Situationen mein Schlachtplan. Nicht immer geht der auf, aber meistens. Es gibt auch einige (wenige) Leute, mit denen ich partout nicht kann, und das ist auch okay. „Du bist das Herz der Agentur“ schrieb mein Chef Claus in meine Weihnachtskarte und ich war sehr gerührt.

Auch Tante Hu fand warme Worte. „Hier ist die Nummer meiner Schwester. Ihr versteht Euch bestimmt gut – es gibt eigentlich niemanden, der meine Schwester nicht mag“, bewarb sie mich bei ihrer Untermieterin Johanna.

Aber bedeuten diese Wesenszüge automatisch, dass ich von meinem eigenen Kind nicht wirklich ernst genommen werde? Tanze ich vor dem Schlafengehen mit dem kleinen Piranha unseren Namen? Bock-Rock für die Abgrenzungslosen? Machen alle anderen das besser? Gibt es hier eigentlich einen Masterplan?

Ein schwieriges Thema, bei dem ich auf Eure Strategien und Wahrnehmungen gespannt bin.

Liebste Grüße von Eurer Single City Mama