Konichiwa, Japan!

Konichiwa, Lieblingsmamas!

Seit gestern Abend bin ich von meiner ersten Fernreise seit 6 Jahren zurück und es war großartig! 10 Tage Japan – so kunterbunt, wunderschön und köstlich! Meine Schwester (aka Tante Hu) tingelt seit Anfang Oktober im Rahmen eines 4-monatigen Sabbaticals um die Welt.

Mount Fuji – der berühmte Berg. (Bilder: Single City Mama privat)

Nach Namibia und Südafrika war Japan ihr dritter Stopp und ich beschloss Anfang des Jahres, dazu zu kommen. In Japan war ich nämlich auch noch nie und außerdem ist es verdammt lange her, dass wir unserer letzten längeren Schwestern-Urlaub verbracht hatten (14 Jahre um genau zu sein, damals bereisten wir gemeinsam in meinen Semesterferien 2 Monate Australien und Neuseeland).

Sabrina, eine liebe Freundin von mir aus München, hatte die Reise überhaupt erst ermöglicht, da sie mir letztes Jahr anbot, im Falle eines längeren Urlaubs bei uns in Hamburg einzuhüten und auf den kleinen Piranha aufzupassen.

Am 24. Oktober ging es also los. Die ersten Tage übernahm Baba-Opa gemeinsam mit unserer Leih-Omi Claudia und lieben Freunden die Piranha-Logistik. Ich brachte den kleinen Piranha Mittwoch morgen noch in die Kita und stieg am Nachmittag nach einer kleinen Weinverkostung am Flughafen (eine Kiste Weißburgunder wird mir in den kommenden Tagen zugestellt werden) mit einem willkommenden Mini-Schwipps zunächst den Flieger nach Wien – und wenig später saß ich im großen Jet nach Tokio.

So sehr ich das Reisen liebe, so ungern fliege ich lange Strecken. Ich fühlte mich unwohl, stocherte im Essen und war heilfroh, als die Maschine 10,5 Stunden später in Tokio-Narita zur Landung ansetzte. Sicherheitshalber hatte ich mir vorab eine Anti-Thrombose-Spritze gesetzt, was auch ganz gut war, da ich mich auf meinem Fensterplatz so gut wie gar nicht bewegt hatte.

Noch am Flughafen besorgte ich für umgerechnet 100,- einen mobilen Router, so dass wir zum Einen erreichbar sein würden und zum Zweiten auf Googlemaps zugreifen könnten – denn Japans Megacities sind vor allem eines: gigantisch groß! Und mein Orientierungssinn ist unfassbar schlecht bzw. nicht-existent.

Nach einer weiteren Zug- und Metrofahrt kam ich mittelschwer derangiert und übermüdet in unserem Hotel an, wo mich meine Schwester schlafend erwartete. Bei meiner Schwester aka FlyingFrankie war logistisch so ziemlich alles schief gegangen, was schief gehen konnte, so dass sie statt von Johannesburg über Hongkong nach Tokio zu fliegen zunächst zurück nach Frankfurt (!) und dann gen Japan geschickt wurde – 40 Stunden Reiseodysee und unterirdischer Service.

Wir spazierten am Abend noch ein wenig durch unsere neue Hood Kanda, aßen in einer japanischen Kneipe ein sehr authentisches „Überraschungs-Mahl“ und freuten uns auf unsere Reise, die erstmal sehr regenreich begann. Ein Hoch auf die transparenten Plastikschirme, die in Japan quasi omnipräsent sind.

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Sightseeing, besuchten eine sehr coole Lichtausstellung im Digital Art Museum, spiesen im Ninja-Restaurant, in einer Rooftop-Bar über den Dächern von Tokio, machten eine Stadtrundfahrt und liefen uns die Füße platt. Wir quatschen und lachten über Insider bis uns die Bäuche weh taten und die Tränen liefen. Meine Schwester und ich sind nicht nur optisch, sondern auch vom Temperament her sehr unterschiedliche Charaktere, aber wir haben exakt denselben, skurillen, wüstentrockenen Humor. Ich habe lange nicht mehr so viel gelacht wie auf dieser Reise.

Appletinis mit Skyline View ❤

Meine zwei Jahre jüngere Schwester ist übrigens nicht nur meine beste und loyalste Freundin und ehrlichste Kritikerin, sondern auch der Mensch, dem ich im Falle eines Falles mein Kind anvertrauen würde – die „Begünstigte“ meiner Sorgerechtsverfügung. Sie sang dem kleinen Piranha noch durch meine Bauchdecke hindurch Copa Cabana vor, war bei seiner Geburt 24 Stunden lang an meiner Seite und die Wochen und Monate danach eine große Stütze – und sie liebt ihn wie ihr eigenes Kind. Und vice versa. Der Piranha stellt oft fest, dass Tante Hu, erfolgreiche Anwältin für internationales Vertragsrecht, „die Coolste in unserer Familie“ ist. Und damit hat er sicher Recht!

Aber zurück zu Japan: Nach drei Tagen Tokio lösten wir unseren JR Pass (eine Art „Flatrate“ für das örtliche Bahnnetz) ein und fuhren mit dem berühmten Shinkansen Zug nach Kyoto, etwa 2,5 Stunden weiter südlich. Ebenfalls eine Metropole, aber weitaus touristischer und traditioneller als Tokio.

Dort hatten wir ein super zentrales Hotel (die Zimmer sind grundsätzlich winzig, verfügen aber über alles, was man brauchen könnte – und sogar Toiletten, mit denen man sich den Allerwertesten wahlweise waschen und/oder föhnen kann…wenn man das möchte…).

Ein Freund von mir, der Kyoto bereits bereist hatte, hatte mir noch einpaar sehr gute Tipps an die Hand gegeben und so saßen wir abends im Ichiran, bestellten am Automaten ein Ramen-Menü (ein japanisches Suppengericht mit Einlage), das wir dann in einem kleinen Kämmerlein einnahmen. Vor einer Klappe reichte eine Servicekraft ohne Gesicht die Mahlzeiten an und meine Schwester und ich klappten die optionale Trennwand neben uns weg, um uns während des Essens zu unterhalten. Es war köstlich und auf jeden Fall ein Erlebnis!

Das Ichiran mit seinen kleinen Speise-Kabuffs ❤

Apropos Erlebnis: Für den folgenden Tag hatte meine Schwester uns ein ultimatives Geisha-Event (traditionelle japanische Künstlerinnen und Unterhalterinnen) gebucht. Dafür fanden wir uns in einem Haus ein, wo wir auf mehreren Stockwerken zunächst vermessen, uns dann ein Kimono-Gewand aussuchen durften, in dieses eingeschnürt und uns zum krönenden Abschluss noch im Nullkommanix professionell die Haare gesteckt wurden. Es war wirklich ein Erlebnis.

Da ich wesentlich kurviger als die Durchschnitts-Japanerin bin, versuchte die arme Schneiderin zunächst meine Oberweite irgendwie flach zu binden – und war schlussendlich auch ziemlich stolz, dass es ihr gelungen war. In unseren Gewändern und mit dem obligatorischen Schuhwerk (weiße Söckchen – ein Geschenk des Hauses! – und FlipFlops) bekleidet, flanierten wir durch einen nahegelegenen Park und einen Tempel. Viele Menschen lächelten uns an, die meisten davon Touristen, und ein Franzose fragte schließlich leicht verschämt, ob er ein Foto von uns machen dürfte.

Ich wollte gerade Small Talk starten und erzählen, wie wir zu unseren Gewändern kamen, doch er huldigte uns nur als „beautiful Japanese Girls“ und erklärte, dass er an meinen Geheimnissen gar nicht interessiert sei. Naaa gut. Ich habe manchmal einen Hang dazu, kommunikativer zu sein, als es eigentlich angebracht ist.

Ihr seht – uns ging es blendend…

Nach etwa vier Stunden verwandelten wir uns wieder in uns selbst zurück und nahmen am Abend noch an einer „Walking Tour“ mit einem einheimischen Guide, dem Rocker „Dai“, teil. Es war sehr spannend. Im Anschluss kehrten wir in einem Sushi-Restaurant (ebenfalls ein prima Tipp von Christian, meinem Kyoto-kundigen Freund) ein und bekamen dort das absolut frischeste, köstlichste Sushi meines Lebens serviert. Günstig war es nicht, aber jeden Cent wert.

Am nächsten Tag düsten wir weiter gen Osaka, die dritte Metropole, die nur etwa 40 Minuten entfernt ist. Nach zwei Nächten, dem Besuch der bekannten Burg und des hiesigen „Sailor Moon Cafés“ (auf Wunsch meiner Schwester, was ich an dieser Stelle ganz ausdrücklich betonen möchte), bestiegen wir wieder den Shinkansen und machten uns auf Richtung Bergregion.

Unser Zimmerchen in Osaka. Meine Schwester war leider gegen die Kopfkissenfüllung allergisch…

Meine Schwester war etwas angesäuert, da ich unser Ryokan (ein sehr traditionelles, luxuriöses Hotel in Kawaguchiko) gebucht hatte, ohne zu doublechecken, ob uns unser JR Pass tatsächlich für umme dorthin befördern würde. Tat er leider nicht, so dass wir einen weiteren, kostenpflichtigen Bus besteigen mussten, aber es war wie erwartet ein Erlebnis. Abends stiegen wir in unseren eigenen Onsen, ein Art privaten Whirlpool auf der Terrasse, und aßen köstliche Tempuri, frittierte Meeresfrüchte, während ein hiesiger Singer/Songwriter seine Künste zum Besten gab.

Am nächsten Tag gondelten wir noch in Sightseeing Bussen durch die Region, besuchten eine Fledermaus-Höhle, lunchten mit Blick auf Mount Fuji und düsten abends zurück gen Tokio. Dort übernachteten wir für umgerechnet 26,-/Person in einem Kapselhotel. Ich war vorab etwas besorgt, allerdings vollkommen unbegründet – alles war supersauber und modern (im Bad lagen sogar Glätteisen aus) und die Kapseln waren jeweils mit TV und Steckdosen ausgestattet.

Schon waren wir am Ende unserer Reise angekommen. Am letzten Tag besuchten wir noch den Kaiserpalast, wobei uns zunächst der Eintritt verwehrt wurde, da ich noch eine Viertelflasche Sauvignon Blanc spazieren trug. Ich shoppte im Sky Tree Center Souvenirs, während meine Schwester ein örtliches Badehaus ausprobierte, wir streiften durch das berühmte Asakasu-Viertel und am Abend trennten sich an der U-Bahn-Station unsere Wege.

Tante Hu fuhr von Gleis 1 aus zum Flughafen Haneda, von wo aus am späten Abend ihr Weiterflug nach Australien ging. Ich fuhr von Gleis 2 aus zum Flughafen Narita, checkte dort in ein Airport-Hotel ein und hob am nächsten Morgen gen Hamburg ab. 12 Stunden auf einem Mittelplatz waren für mich persönlich ein wahr gewordener Albtraum, wobei es im Nachhinein nicht so schlimm war, wie befürchtet. Der Boing Dreamliner ist relativ komfortabel und ich wurde flankiert von zwei japanischen Herren, die eigentlich nur geschlafen haben.

Ich beschloss, mir nach kurzem Zögern „The Fault in our Stars“, die Verfilmung eines unglaublich guten, unglaublich traurigen John Green Romans über die Liebe zwischen zwei todkranken Teenagern anzusehen.

Nicht die klügste Idee, die ich jemals hatte, denn ich weinte bitterlich und musste sämtliche Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht komplett die Fassung zu verlieren. Außerdem hatte ich keine Taschentücher, was die Sache nicht besser machte. Auf den letzten Metern musste ich den Film dann doch abschalten, da sonst alle Dämme gebrochen wären, und schaute stattdessen „A Star is Born“.

Am Abend holten mich mein Vater und sein bester Freund Ferry vom Flughafen ab und gemeinsam sammelten wir den Piranha von seinem Freund Ruben ein. Der kleine Piranha sprang mir freudig in die Arme und berichtete von seinen Erlebnissen der Woche. Ebenfalls erkundigte er sich nach seinen Geschenken und stellte fest, dass fünf Mitbringsel (ein batteriebetriebener Hund, eine Hundekappe, die bei Drücken einer kleinen Pumpe die Schlappohren hochklappt, eine Drachen-Federtasche, ein Schaumstoff-Schwert und Mount Fuji Magneten) doch ein bisschen knauserig wären. Nunja.

Um halb neun lag ich fix und fertig in meinem Bett und war heilfroh, dass ich heute noch Urlaub habe. Es war eine fantastische Reise und ich bin allen Beteiligten unendlich dankbar, dass das möglich war und alles so reibungslos geklappt hat. Der kleine Piranha fragte sofort, wann wir Sabrina besuchen können. Von Mama-Entzugserscheinungen keine Spur.

Ihr seht, wenn mir diese Reise eines mal wieder gezeigt hat, ist es, dass ich zwar alleinerziehend, aber alles andere als alleine bin ❤

Liebste Grüße und Sayonara von Eurer

Single City Mama

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