„Scheiße Mama, Du alte Socke“ und andere Katastrophen

Happy Friday, mein Lieben,

ich sitze grad auf dem Sofa, trinke einen – na gut zwei bis drei – köstlichen Lillet Wild Berries, warte auf den Sushilieferanten und rekapituliere einen sehr abenteuerlichen Tag.

Und der fing damit an, dass der kleine Piranha neben mir im Bett die Augen öffnete und Bauchweh beklagte. „Mamaaa, mein Bauch tut weh“, elaborierte er, forderte aber Sekunden später ein großes Müsli ein. Moooment dachte ich – schon am Mittwoch hatte der kleine Piranha dieses Alibi genutzt, um sich zuhause einen Bunten zu machen. Gemeinsam mit unserer Putzfrau Renata „Nata“ könnte ich ihn des Schwindelns überführen und noch – mit leichter Verspätung – in die Kita chauffieren.

SingleCityMama_Aperitiv

Come to Mama 😛

 

Ich fragte den kleinen Mann mehrfach, ob es ihm nicht gut ginge oder er nur zuhause bleiben wolle. „Wirklich“ murmelte er und blickte mich aus großen blauen Kulleraugen an.“In dubio pro Piranha“ dachte ich und nahm den Piranha mit ins Büro, obwohl mir das ganze spanisch vor kam. Das Müsli verspies er mit Gusto und überhaupt wirkte er nicht so, als ob er Schmerzen hatte. Das Büro ist für den kleinen Piranha immer wieder ein Highlight, wenn er von Mamas Kollegen betüddelt wird, es überall Süßes zu schnorren gibt und Claus, mein Chef und selbst dreifacher Vater, Papierflieger bastelt.

Als ich vier Stunden später zum Aufbruch mahnte, saß der kleine Piranha gegenüber von Claus im Chefbüro und stempelte selig Papier. Das Bauchweh sei schlagartig besser geworden, als er einen Doppelkeks verzehrt hatte, elaborierte mein Kind. Schließlich gab er zu, dass er geschwindelt hatte. Ich schluckte und hielt eine semi-überzeugende „Wer einmal lügt…“ Predigt.

Anschließend fuhren wir zu Baba-Opa und machten allerhand Besorgungen. Bei TK Maxx eskalierte die Situation dann. Der Piranha wollte ein Spielzeug, was aber absolut nicht drin war. Erst gestern hatte er Geschenke von unseren neuen Nachbarn bekommen. Und überhaupt – das Kinderzimmer platzt aus allen Nähten. Ich beschloss, konsequent zu sein. Absolut nicht im Sinne des Piranhas.

Durch die ganze Etage tönte es „So eine scheiße auch noch mal, Du alte Socke. Scheiße Mama, scheiße“. Moment – what? Da stand ein kleiner Drops mit übergroßer Regenjacke und Gummistiefel, eine geschockte Mutter, die nicht wusste, wie sie reagieren sollte und etwa fünf mittelalterliche Frauen starrten mich mit einem Blick, der irgendwo zwischen Mitleid, Schock und tiefer Verachtung schwankte, an.

„Da sollte man nicht grinsen,“ zischte eine und ich nahm den Piranha und zog ihn – Single City Proll Style – an die Kasse. Ich hätte heulen können „Ich bin Akademikerin,“ wollte ich schreien und überlegte, ob es einen Grund hatte, dass meine Magisterurkunde vom Dekan des Instituts für Kirchenmusik unterzeichnet war (der stand in dem Jahr der philosophischen Fakultät vor, just sayin… ;-). „Mein Kind ist freundlich, herzlich, liebenswürdig und clever.“ Beschimpfungen lauteten bis dato „Pischikackimama“ oder „Eierloch“, was linguistisch definitiv über einer „Scheißaltensocke“ stand.

Das Problem war gar nicht, dass mich grämte, ob die Leute etwas negatives denken können. Zum Glück ist das kein Laster von mir. Es ist mir herzlich egal, was fremde Leute denken bzw. ist das einfach so furchtbar vergeudete Energie. Immer wieder weise ich gefühlt Freundinnen darauf hin, dass es entweder „passt“ mit der Sympathie oder halt nicht. Entweder funkt man auf einer Wellenlänge – oder eben nicht. Egal ob in der Liebe, Freundschaft oder bei Wildfremden – die Gedanken eines anderen Menschen beeinflussen zu wollen, ist reine Energie- und Zeitverschwendung. Lächeln und winken hingegen eine wesentlich gesündere Grundhaltung.

Was mich vielmehr beschäftigte, war die Tatsache, dass ich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte. Offensichtlich hatte der Piranha nicht boshaft gehandelt, er fand das witzig. Aber ich hinterfragte meine Erziehung. Wie sollte ich ihm klar machen, dass er sich so nicht – und schon gar nicht – in der Öffentlichkeit äußern sollte? Als er merkte, dass ich sauer war, entschuldigte der Piranha sich immer wieder und schmiegte sich an mich. Ich wollte ihn auch nicht mit Liebesentzug bestrafen oder mich zulange künstlich aufregen (das ist einfach nicht mein Naturell, auch wenn mir das manchmal gut täte). Ein Paradoxon, das mich den Rest des Tages beschäftigte.

Ansonsten war unsere Woche in erster Linie turbulent. Ich freue mich schon aufs Wochenende, das auch schon mit (schönen) Unternehmungen mit Freunden verplant ist. Und unser Urlaub steht bevor, yippiehyayeah! Südtirol, wir kommen!

Liebst,

Eure Single City Mama

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