Baba-Opas Ohrringphobie

Lieblingsmamas,

einen wunderschönen Mittwoch wünsche ich Euch!

Perfider Weise begann dieser für mich heute schon um 6.15, als ich von einem querliegenden Piranha aus dem Traumland vertrieben wurde.

Da ich noch jede Menge auf der Agenda hatte, stand ich auf, schmiss die erste Ladung Wäsche in die Maschine, reinigte rudimentär unsere Küche und reflektierte das vergangene Wochenende. Baba-Opa hatte wieder herrliche Zoten in petto.

Aktuell planen wir gerade unseren nächsten Generationenurlaub in den Alpen nach Ostern und Baba-Opa echauffierte sich wiederholt über meine Ohrringe. „So fahre ich nicht mit Dir weg, Kind“, sinnierte er kopfschüttelnd.

Wieder einmal sah ich mich um, ob er mit mir, seiner 34-jährigen Tochter sprach, oder mit dem kleinen Piranha. Er sprach mit mir, während der Piranha mit Gusto Schweinebraten mit Gelee in sich reinschauffelte. „Nicht mit diesen Dingern in den Ohren“, ergänzte er angewidert. Gemeint waren kleine Rosenquartze, die an einem Stück Gold ca. 2 mm von meinen Ohrläppchen baumeln. Man muss dazu sagen, dass Baba-Opa schon immer strikter Gegner von Piercings jeglicher Art war und seine Abneigung in der Regel lautstark zum Ausdruck bringt.

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Diese kleinen Ohrringe waren im wahrsten Sinne des Wortes der Stein des Anstoßes….

Als ich mit 16 für ein Austauschjahr in den USA lebte, ließ ich mir die Ohrlöcher heimlich stechen und stellte ihn vor vollendete Tatsachen. Mein Vater war zwar „not amused“, aber arrangierte sich mit der Situation. Dennoch hat er das Bedürfnis, jedes Paar, das sich mit meinem Besitz befindet (befand, vollständig sind kaum noch welche) zu kommentieren. „Die darfst Du meinetwegen tragen“, sagt er gnädig, wenn ich kleine Perlenstecker ausführe. Als ich eines Tages mit Kreolen kam, verschlug es ihm vor Gram die Sprache.

Meistens muss ich schmunzeln, da ich ihn lange genug kenne, um zu wissen, dass er nichts Böses im Sinn hat. Dennoch ist er mir wichtig, dass er mich ernst nimmt. Klar, meine Schwester und ich bleiben immer seine „kleinen Mädchen“ und wahrscheinlich wird es mir mit dem Piranha nicht anders gehen – aber oft muss ich ihm vor Augen führen, dass ich mittlerweile eine berufstätige Mutter mit einem akademischen Abschluss bin, einen eigenen Haushalt führe und selbst meine Steuern zahle.

Sogar das „Füße unter seinen Tisch strecken“ funktioniert nicht mehr – meist streckt er mittlerweile seine unter unseren.

Abgrenzung ist wichtig

Meine Entscheidungen – ob sie richtig oder falsch sind – treffe ich selber und auch der latente Machismus, der in der Generation meines Vaters noch ziemlich weit verbreitet war („hol mir mal…“), muss sich nicht unbedingt auf den kleinen Piranha übertragen.

In diesem Zusammenhang erzählte mir meine Freundin Sybille neulich eine Anekdote, die uns beide nachdenklich machte. Mann und Sohn (3) hatten im Wohnzimmer etwas zusammengebaut. Als Sybille helfen wollte, sagte der Kleine „Du kannst in die Küche gehen und was leckeres kochen“. Wir mussten beide lachen, aber schlussfolgerten, dass wir unsere Söhne definitiv zu emanzipierten Männern erziehen werden, die Frauen auf Augenhöhe sehen. Jawoll!

In diesem Sinne,

liebste Grüße von Eurer

Single City Mama

 

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