Mama 4.0 – Internet of PLINGS

Momentan beschäftige ich mich im „ersten Leben“ – meinem Redaktionsalltag – für einen Kunden mit dem Thema Vernetzung und dem „Internet der Dinge“. Internet von watt? Das war auch meine erste Reaktion, als ich mich durch das Briefing klickte. Die These: Alles ist vernetzt. Wir mit unseren Handys, wir untereinander, unsere Handys mit dem Herd… und, und, und. Die Möglichkeiten sind praktisch so unbegrenzt wie die schwarze AMEX, vorausgesetzt man hat letztere in der Tasche.

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(Bild-Quelle)

Rekreation mit Mark

Ehrlich gestanden ist – meinem vermeintlichen Technologie-Expertentum zum Trotz – das smarteste in unserem „2 Mann und 1 Bär“-Zuhause vermutlich mein iPhone, frisch gecrasht mit wenig würdevoller „Spiderman-App“ bzw. vielleicht auch mein Flat Screen-TV, der erst vor 2 Jahren meine treue Röhre abgelöst hat. Trotzdem wird der Fernseher im Hause Piranha nur zu besonderen Anlässen angeschaltet, wie einer Doppelfolge „Bauer sucht Frau“ zum Beispiel. Fernsehen ist nicht meins. Ich entspanne mich lieber, in dem ich abends ein gutes Buch lese (höhö – hätte fast geklappt, oder?) oder völlig sinnfrei durch Timelines und Whatsapp-Chats browse ohne ein echtes Informationsbedürfnis damit zu befriedigen oder die wirklich wichtigen, tiefenpsychologisch fundierten Fragen des Lebens zu klären… Warum antwortet der Mistkerl nicht, blauer werden die Häkchen niemals, rrrhhhoaaaar?

Medium der Möglichkeiten

Aber vernetzt bin ich – beruflich wie privat jeweils mit rund 500 Nasen. „Wen zur Hölle interessiert das?“ fragt mein Vater, wenn ich ihm erzähle, dass ich etwas auf Facebook veröffentlicht habe. Zugegeben – manchmal frage ich mich das auch. Aber ich liebe Facebook, das Medium der Möglichkeiten. Durch Herrn Zuckerberg und seine Posse habe ich Kontakt mit Menschen, die mich in verschiedenen Stationen meines Lebens begleitet haben. Gastfamilien. Kollegen. Freunde. Freundesfreunde. Ich schaue gern Fotos an und lerne so Menschen kennen, die ich eigentlich gar nicht kenne, ihre Schicksale, ihre Sorgen und Probleme (zumindest bei den Amerikanern, die ein sehr großes Mitteilungsbedürfnis haben und am Tag öfter Jesus zitieren als ich Quellenangaben in meiner Magisterarbeit habe).

Steckdosen-Freundschaften

Durch das Netzwerk habe sich sogar ganz neue Freundschaften geschlossen, wie mit meinem Bekannten Ian. Ian kenne ich durch Brenda, die sich mal zu mir setzte, als ich am Newark Liberty Airport auf dem Fußboden vor der weit und breit einzigen Steckdose saß und mein Handy lud. Brenda und ich plauderten geschätzte 20 Minuten, tauschten unsere Visitenkärtchen aus, vernetzten uns. Brendas Kollege Ian habe ich dann in ihrem Newsfeed „kennengelernt“ und wir haben ein lustiges Wochenende in Hamburg verbracht. Das ist 6 Jahre her und wir haben immer noch locker Kontakt.

„Wen zur Hölle interessiert das?“

Meine amerikanische Gastfamilie fühlt sich dem kleinen Piranha großelterlich verbunden, obwohl sie ihn nie gesehen haben, aber sie verfolgen seine Entwicklung auf Facebook. Etwas, das in meinem Freundeskreis höchst umstritten ist, obwohl ich bei der Auswahl der Fotos und meinen Privatsphäre-Einstellungen schon stark selektiere. Aber ich mag es tatsächlich, die Menschen in meinem Umfeld an meinem Leben teilhaben zu lassen und vice versa. Ich mag das Gefühl der Vernetzung und bin als Kind des Digitalen Zeitalters nicht übermäßig paranoid, wenn es um meine Daten geht. Um an dieser Stelle mal meinen Vater zu zitieren: „Wen zur Hölle interessiert das?“.

Über Facebook und Whatsapp habe ich auch am meisten Kontakt mit meinen „realen Freunden“, vor allem meiner Mama Gang. Wir treffen Verabredungen, bringen uns auf den neuesten Stand, tauschen Fotos aus und kommentieren Profilbilder. Wir überbringen Botschaften – traurige und schöne. Aber es ist vor allem praktisch und da ich privat auch sehr ungern telefoniere, würde ich es nicht missen wollen.

Baum

(Bild-Quelle)

Generation „Baum-App“

Ich bin sicher, dass der kleine Piranha und seine Freunde in einer Generation aufwachsen, für die das Thema „Internet der Dinge“ noch relevanter und intuitiver sein wird, als wir es uns derzeit vorstellen können. Ich hoffe, dass er die nötige Medienkompetenz mit auf den Weg bekommt und auch auf Bäume klettert, die noch keine App haben. Und einem Mädchen (vielleicht Coco?) sagt, wie schön ihre Haare sind und ihr – verdammt noch mal – dabei in die Augen schaut und nicht ihre Bilder auf Tinder klickt. Ein bisschen Oldschool Retro-Romantik in El Mundo Digitale – was denkt Ihr?

Sonnige Grüße,

Eure Single City Mama

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